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Schutzgebiete im Mittleren Steirischen Ennstal – Von der Vergangenheit in die Zukunft

Das Mittlere Steirische Ennstal ist seit Jahrtausenden geprägt von landschaftlichen Veränderungen und wirtschaftlichem Wandel.

Der Ennsfluss mit seinen Feuchtflächen bietet einer Vielzahl von geschützten Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse Raum zum Leben. Der Ausbau des ostalpinen Eisenbahnnetzes war ausschlaggebend für die Maßnahmen der Ennsregulierung von 1860-1960 mit dem ersten Durchstich bei Schloss Trautenfels in der heutigen Gemeinde Stainach-Pürgg. Denn bis dahin mäandrierte die Enns durch den Talboden und bereits mäßige Niederschläge führten zu großen Überflutungen. Ursprünglich wurde die Beckenlandschaft auch ackerbaulich genutzt, um die Ernährung zu sichern, die ertragreichere Viehwirtschaft wurde ausgebaut (Güntschl, 1960).

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verarmte die Bevölkerung u.a. durch den Rückgang des Bergbaus und des Viehhandels. Der Talboden versumpfte aufgrund der Zunahme von Überschwemmungen durch große Abholzungen der umliegenden Wälder. Mit der Ennsregulierung erfolgten auch großflächige Entwässerungen, um neue landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen und Grundzusammenlegungen ermöglichten erst die maschinelle Landbewirtschaftung. Schon damals wurden für Industrieanlagen, Siedlungsraum und Infrastruktur (Ennstal Bahnstrecke und Ennstal-Bundesstraße B320) die Landschaftseingriffe intensiviert. So wurden aus einmahdigen Streu- und Rosswiesen ohne Düngung mehrmädige Dauerwiesen und zunehmend auch Maisäcker für die Viehfutterproduktion. Durch die Belebung des Genossenschaftswesens konnte die Milchwirtschaft in der Region forciert werden.

Mit einer Ereigniswahrscheinlichkeit von ca. 10 Jahren sind die Gebiete auch in der Gegenwart von Überflutungen betroffen und die charakteristischen Feuchtwiesen eigenen sich daher hauptsächlich für eine extensive Grünlandwirtschaft. Vermurungen und Überschwemmungen in den Seitentälern betreffen zum Teil auch Siedlungsgebiete.

Es bestehen jedoch Reste von naturnahen Flach- und Hochmooren und extensiv genutzten Streuwiesen, die nicht in artenarme Fettwiesen umgewandelt wurden. Die Charakterarten im Mittleren Steirischen Ennstal, der Wachtelkönig (Crex crex) und die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) gilt es neben den vielen anderen selten Pflanzen- und Tierartenarten zu erhalten und die entsprechenden Lebensräume wieder aufzuwerten, d.h. auch zu pflegen. Diese Flächen im Ennsboden sind mittlerweile Teil des Europäischen Schutzgebiets Netzwerkes nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie und im Jahr 2006 als Natura 2000 Gebiete per Verordnung ausgewiesen worden. Die Ausweisung dieser, zum Teil überlappenden Gebiete, erfolgte nicht ohne Konflikte zwischen Landnutzungs- und Naturschutzinteressen. Der Schutz der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen ist in der FFH Richtlinie verankert, gleichzeitig sollen wirtschaftliche, soziale, kulturelle und regionale Anforderungen berücksichtigt werden. In jedem ausgewiesenen Gebiet sind entsprechend den einschlägigen Erhaltungszielen die erforderlichen Maßnahmen durchzuführen. In den Verordnungen zur Ausweisung der Natura 2000 Gebiete sind jedoch keine verpflichtenden Maßnahmen für den günstigen Erhaltungszustand der geschützten Arten und Lebensräume festgelegt. Nur über Vertragsnaturschutz, d.h. im Einvernehmen mit den Grundeigentümer/innen und Nutzungsberechtigten, können entsprechende Leistungen erfüllt werden. Außerdem werden jene Flächennutzungen, die sich im Zuständigkeitsbereich des Bundes befinden (z.B. Bergbau, Eisenbahn und Straßenverkehr, Bundesheer), nicht eingeschränkt (LGBL. Nr. 56/2006). Die Schutzgebiete und ihre Randbereiche am Fuße des Grimmings sind genau mit diesen Interessenskonflikten konfrontiert.

Die meisten dieser Flächen werden landwirtschaftlich weiterhin v.a. als Grünlandflächen für die Futtergewinnung genutzt, der Ackerbau, v.a. in Form von Futtermais nimmt aber in diesen Natura 2000 Gebieten stetig zu. Der Flächenverbrauch für Gewerbe- und Siedlungsräume ist auch innerhalb der letzten 20 Jahre zu erkennen.

Good Practice Beispiele auf den Blühwiesen in Trautenfels und Umgebung sollen aufzeigen, wie sich durch eine angepasste ökologische Bewirtschaftung wieder Blühwiesen im mittleren Steirischen Ennstal entwickeln können. Jedes Jahr kann Ende Mai die Blütenpracht am Fuße des Grimmings beobachtet werden. Seit Mitte Juni sind auch die Rufe des Wachtelkönigs wieder an Stellen zu hören, wo bis jetzt noch nicht gemäht wurde. 

Nähere Details zur Landschaftsveränderung von der Vergangenheit in die Zukunft werden im folgenden Artikel (eco.mont-Volume15, Number 2, July 2023) dargestellt. 

Link zum Artikel

 

Team

Mayer Renate, DI

DI Renate Mayer

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Starz Walter, Dr.

Dr. Walter Starz

Bio Grünland und Ackerbau

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