Jugend forscht zu invasiven Neophyten - C.S.I. PhänoBiota

Präsentation der Ergebnisse zum Projekt C.S.I. PhänoBiota an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein am 21. April 2023

C.S.I. steht im Forschungs-& Bildungsprojekt für Climate Science Investigation und bedeutet so viel wie „Auf Spurensuche gehen und invasive Neophyten im Jahresverlauf unter die Lupe zu nehmen.“ Ziel ist es beim Forschen mit pflanzlichen Neuankömmlingen, den bestmöglichen phänologischen Zeitpunkt für eine optimale Entfernungsmethode von nicht heimischen Pflanzenarten, die sich rasch und unkontrolliert ausbreiten, herauszufinden.

Dazu untersuchte das Projektteam gemeinsam mit der Jugend, woher die Pflanzen kommen und wie die Pflanzen „ticken“ (d.h. was sind ihre Strategien, welchen Nutzen und /oder Schaden können sie verursachen), wie passt das Wuchsverhalten zu Wetter und Standort und welche Strategien setzen die Pflanzen ein, damit sie sich so erfolgreich in der Natur ausbreiten können.

Am 21. April 2023 eröffneten Johann Gasteiner, Direktor der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und Oliver Gulas, Geschäftsführer vom Naturpark Steirische Eisenwurzen und Leadpartner von C.S.I. PhänoBiota, die Abschlussveranstaltung.

Die ExpertInnen der Projektpartner Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, GeoSphere Austria, Regionalmanagement Liezen, Steiermärkische Berg- und Naturwacht und Landschaftsplanung Consulting Büro LACON präsentierten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen sowie ihren LehrerInnen und DirektorInnen der Projektpartnerschulen ihre Ergebnisse vor dem interessierten Publikum.

Die ExpertInnen der Projektpartner Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, GeoSphere Austria, Regionalmanagement Liezen, Steiermärkische Berg- und Naturwacht und Landschaftsplanung Consulting Büro LACON präsentierten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen sowie ihren LehrerInnen und DirektorInnen der Projektpartnerschulen ihre Ergebnisse vor dem interessierten Publikum.

Filmbeitrag

Ein Film „Aliens sichtbar machen“ vermittelt einen Gesamteindruck über die umfangreichen Aktivitäten und beteiligten Institutionen.

Neben dem Kernteam waren auch die Wildbach- und Lawinenverbauung, der Steiermärkische Naturschutzbund und die Bezirksbauernkammer vertreten und leisteten wichtige Beiträge für das Projekt und für die Vernetzung von Bildung, Forschung und Praxis.

Die Video-Grußbotschaft der Volkschule Aigen im Ennstal mit ihren Erfahrungen im Projekt zeigt das große Interesse am Thema.

Die unangenehmen Erfahrungen und großen Gefahren, welche von invasiven Neophyten im Bezirk Liezen ausgehen können, wie z.B. Verätzungen durch den Riesenbärenklau, schilderte Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher sehr eindrucksvoll im Rahmen der Veranstaltung.

Projektdurchführung

Das Projektteam entwickelte Instrumente, wie z.B. eine Unterrichtsmappe für PädagogInnen, einen Fächer der phänologischen Phasen (Wachstumsmerkmale im Jahresverlauf) mit einer Anleitung für die sachgemäße Entfernung ausgewählter Pflanzenarten für unsere Region (Bezirk Liezen).

SchülerInnen der Bildungsanstalt für Elementatarpädagogik (BAfFP Liezen) produzierten NawiTech Boxen für KindergärtnerInnen.

Neophyten-App

Eine Smartphone App dient zur Eingabe von Neophyten Beobachtungen (Standorte) und Programmierkurse für alle Altersstufen werden dazu angeboten.

Die 10-Jahreszeitenhecken konnten in Schulgärten und zum Abschluss auch an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein eingepflanzt werden, wo schon seit über 30 Jahren phänologische Erhebungen durchgeführt und die Daten an die GeoSphere Austria (früher ZAMG) geliefert werden.

Goldrute, Drüsiges Springkraut, Riesenbärenklau, Ragweed (Ambrosie) und Robinie wurden dabei genauer unter die Lupe genommen.

Als Forschungspartner betreute die HBLFA Raumberg-Gumpenstein unter der Leitung von Renate Mayer insgesamt fünf Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

SchülerInnen der Volkschule Aigen im Ennstal, der MS Irdning und der MS Stainach wurden umfassend über die Welt der Neophyten unterrichtet, recherchierten und präsentierten im Gruppenstudium ausgewählte invasive Neophytenarten und beobachteten die Pflanzen in der Natur mit dem Wuchsverhalten ihrer heimischen Gegenspieler, die wenig Chancen haben, dem Konkurrenzdruck Stand zu halten. In geschlossenen Gefäßen untersuchten die jungen ForscherInnen das Wuchsverhalten von Japanischem Staudenknöterich, Goldrutenarten und Drüsigem Springkraut, die Dokumentation erfolgte über eigene Erhebungsbögen.

Das Gymnasium Admont besuchte die HBLFA Raumberg-Gumpenstein und legte einen Versuch mit Pflanzenteilen von Kanadischer Goldrute und Japanischem Staudenknöterich in sogenannten Rhizoboxen an und besichtigte den Klimaforschungsstandort mit seinen Versuchen.

Das große Interesse galt auch den Erfolgsquoten von Bekämpfungsmaßnahmen durch die Raumberger SchülerInnen. Jedes Jahr werden v.a. in Schutzgebieten unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt, um den Verlust der heimischen Artenvielfalt zu verhindern.

Vor allem menschliche Aktivitäten (bewusst oder unbewusst) sind die Ursache, warum sich die invasiven Neophyten so stark ausbreiten und teilweise große Schäden verursachen. Das beginnt bei der Anpflanzung im eigenen Garten als Zierpflanze, bei Grabschmuck oder als Futterweide (z.B. für Bienen). Der Grünschnitt landet am Böschungsrand von Wäldern oder an Gewässern. Die Samen bzw. Wurzelabschnitte werden durch Bodenaushubmaterial, Wasser oder Wind weiter transportiert und das ist v.a. entlang von Bahn- und Straßentrassen gut erkennbar. Es tauchen auch immer neue Pflanzenarten auf, die Probleme schaffen und heimische Arten verdrängen, Allergien auslösen oder in der Landwirtschaft sehr große Schäden verursachen. Die Klimaerwärmung begünstigt diese Phänomene. Renate Mayer, Neophytenexpertin an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein moderierte im September 2022 eine Radiosendung bei Radio FreeQuenns zum Thema. In der Erforschung von Methoden ist noch sehr viel Luft nach oben!

Es gibt zwar die EU Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten, die mit 1. Jänner 2015 in Kraft getreten und in Österreich direkt anzuwenden ist. Doch flächendeckende konkrete Handlungsanweisungen je nach Pflanzenart und Verpflichtungen zu vorbeugenden Maßnahmen, Beobachtungen der Ausbreitung und Entfernungsmaßnahmen gibt es noch nicht.

Umso wichtiger ist es, die Kinder und Jugendlichen für die Sache zu begeistern. Mit der Neophyten-App kann zukünftig ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um Ausbreitungsherde auszuspüren, damit sofort entsprechenden Maßnahmen zur Beseitigung getroffen werden können. Denn das gigantische, unbemerkte Wachstum und der große Verbreitungserfolg bis hin zu Monokulturen von Japanischem Staudenknöterich, Drüsigem Springkraut, Großer und Kanadischer Goldrute oder Riesenbärenklau (um nur einige Pflanzenarten zu nennen, die uns im Projekt C.S.I. PhänoBiota unmittelbar betroffen haben) ist in einem späteren Stadium kaum mehr zu schaffen.

Es ist sehr beeindruckend, mit welch großem Einsatz die SchülerInnen zu komplexen naturwissenschaftlichen Themen wie Invasive Neophyten experimentieren und sich unabhängig von der Altersstufe in die Materie vertiefen können. Auch für Maßnahmen zur Beseitigung setzen sie ihre ganze Kraft ein.

Dieses Potential der Jugend für die Forschungsbeteiligung müssen wir nützen und entsprechend fördern. Das Projekt hat Vorbildwirkung für die Zusammenarbeit aller Institutionen, um effektive Maßnahmen umzusetzen.

Die Projektpartner

Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen (Projektleitung, Martin Gebeshuber), GeoSphere Austria, HBLFA Raumberg-Gumpenstein (Renate Mayer), Steiermärkische Berg- und Naturwacht, Regionalmanagement Liezen, LACON.

  

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Das Talente regional Projekt C.S.I. PhänoBiota vom Klimaschutzministerium und der FFG unterstützt.

Poster mit den Ergebnissen

 

 

Bildautor: © L. Kniewasser/NUP Steirische Eisenwurzen

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