Potenziale und Herausforderungen der Aquaponik in der Landwirtschaft

Wie lassen sich Fischproduktion, Pflanzenbau und moderne Automatisierung in einem nachhaltigen System vereinen? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich eine Diplomarbeit an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Die drei Schüler Ferdinand Flucher, Jakob Tritscher und Jakob Hernach planten, errichteten und betreiben eine eigene Aquaponik-Anlage und sammelten dabei wertvolle Erfahrungen in den Bereichen Fischhaltung, Pflanzenproduktion, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung.

Aquaponik Diplomarbeit in Raumberg-Gumpenstein (C) HBLFA Raumberg-Gumpenstein, F. Flucher

Aquaponik Diplomarbeit in Raumberg-Gumpenstein (C) HBLFA Raumberg-Gumpenstein, F. Flucher

 Aquaponik Diplomarbeit in Raumberg-Gumpenstein (C) HBLFA Raumberg-Gumpenstein, F. Flucher

Ein geschlossener Kreislauf

Aquaponik verbindet die Aufzucht von Fischen mit dem Anbau von Pflanzen in einem gemeinsamen Wasserkreislauf. Das Wasser aus den Fischbecken wird zunächst durch einen Bürstenfilter gereinigt und anschließend durch einen Biofilter geleitet. Dort sorgen Mikroorganismen dafür, dass das Nitrit in Nitrat umgewandelt wird und so pflanzenverfügbar gemacht wird. Das aufbereitete Wasser versorgt danach die Pflanzen und gelangt schließlich wieder zurück zu den Fischen. Der Biofilter bildet dabei das Herzstück der Anlage und ist für stabile Wasserwerte unverzichtbar.

Wie von den Projektbeteiligten beschrieben, handelt es sich dabei um natürliche biologische Prozesse, die auch in Seen und Teichen stattfinden – jedoch in einem kontrollierten und technisch unterstützten System.

 

 

 

 

Afrikanische Welse als ideale Bewohner

Für die Fischproduktion wurden afrikanische Hybridwelse gewählt. Diese Fischart eignet sich besonders gut für Kreislaufanlagen, da sie

  • hohe Besatzdichten verträgt,
  • robust ist und eine
  • sehr gute Futterverwertung aufweist. Zusätzlich besitzen die Tiere
  • neben ihren Kiemen ein lungenähnliches Organ, wodurch sie auch unter anspruchsvolleren Bedingungen widerstandsfähig bleiben.

Zum Zeitpunkt der Präsentation befanden sich rund 300 Fische in der Anlage. Die größeren und kleineren Tiere wurden getrennt gehalten, um ein gleichmäßiges Wachstum sicherzustellen.

Bilder vom Projektteam Aquaponik

Pflanzenbereich

Im Pflanzenbereich wurden verschiedene Salatsorten sowie Basilikum und Petersilie kultiviert. Dabei kamen unterschiedliche Produktionssysteme zum Einsatz. Neben einem sogenannten Raft-System, bei dem die Pflanzen direkt auf dem Wasser wachsen, wurde auch ein NFT-System mit wasserführenden Kanälen getestet.

Die bisherigen Beobachtungen zeigen, dass insbesondere das Raft-System sehr gute Ergebnisse beim Pflanzenwachstum lieferte. Gleichzeitig konnten die Schülerinnen und Schüler wichtige Erkenntnisse über die Anforderungen unterschiedlicher Kulturen und Produktionsverfahren sammeln.

Technik und Automatisierung als wichtiger Bestandteil

Ein wesentlicher Schwerpunkt des Projekts lag auf der technischen Umsetzung. Die Anlage wurde mit verschiedenen Automatisierungslösungen ausgestattet, darunter ein Futterautomat, digitale Steuerungssysteme sowie Überwachungs- und Regeltechnik. Die Projektgruppe beschäftigte sich intensiv mit Fragen der Stromversorgung, Sensorik, Datenerfassung und Prozesssteuerung.

Besonders die Entwicklung und Integration des automatisierten Fütterungssystems stellte einen wichtigen Meilenstein dar. Durch die technischen Lösungen konnte der laufende Betreuungsaufwand deutlich reduziert werden. Gleichzeitig entstanden wertvolle Erfahrungen im Bereich moderner Agrartechnik und Digitalisierung. Die Projektgruppe bedankt deshalb sich ganz besonders bei Manuel Großeibner, der unser Team großzügig und offen an seinen praktischen Erfahrungen mit seiner Aquaponikanlage teilhaben ließ und stets mit Rat und Tat zur Seite stand.

Lernen durch Praxis

Neben den fachlichen Erkenntnissen stand vor allem der praktische Lerngewinn im Mittelpunkt. Die Projektgruppe bestehend aus planten selbstverantwortlich die Anlage, organisierten Materialbeschaffung und Umsetzung, arbeiteten mit externen Fachleuten zusammen und eigneten sich Wissen aus unterschiedlichsten Bereichen an.

Besonders hervorgehoben wurden die Erfahrungen in Projektmanagement, Teamarbeit, Organisation und Problemlösung. Viele Herausforderungen konnten nur durch Eigeninitiative, Recherche und das Prinzip „Learning by Doing“ bewältigt werden. 

Bilder von der Pressekonferenz

Zukunftspotenzial für nachhaltige Lebensmittelproduktion

Die Projektgruppe sieht in der Aquaponik großes Potenzial für die Zukunft. Die kombinierte Produktion von Fisch und Pflanzen ermöglicht eine effiziente Nutzung von Wasser, Nährstoffen und Fläche. Gleichzeitig verbindet das System biologische Prozesse mit moderner Automatisierung und eröffnet neue Möglichkeiten für innovative Formen der Lebensmittelproduktion.

Die Diplomarbeit zeigt eindrucksvoll, wie praxisnahe Ausbildung, technische Innovation und nachhaltige Landwirtschaft an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein miteinander verknüpft werden können. Sie steht beispielhaft für den hohen Stellenwert von Forschung, Eigeninitiative und angewandtem Lernen in der Ausbildung der zukünftigen Fachkräfte der Land- und Lebensmittelwirtschaft.

Statement unseres Partnerbetriebes (Manuel Großeiber)

Die Aquaponik hat mich von Anfang an begeistert, weil sie zeigt, wie intelligent natürliche Kreisläufe funktionieren können. Die Idee, Fische und Pflanzen in einem gemeinsamen System zu halten, bei dem beide voneinander profitieren, fand ich faszinierend. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, meine handwerklichen Fähigkeiten und mein Ingenieurswissen sinnvoll für die nachhaltige Produktion hochwertiger Lebensmittel einzubringen.

Besonders begeistert mich, wie effizient Ressourcen genutzt werden können. Mit vergleichsweise wenig Wasser und Fläche lassen sich gleichzeitig hochwertiger Fisch und frisches Gemüse erzeugen. Die Verbindung von Natur, Technik und Lebensmittelproduktion macht die Aquaponik für mich so spannend.

Für Österreich sehe ich in der Aquaponik großes Zukunftspotenzial. Regionale Lebensmittel, kurze Transportwege und ein bewusster Umgang mit Ressourcen werden zunehmend wichtiger. Österreich ist bei Speisefisch nach wie vor stark von Importen abhängig.

Aquaponik kann dazu beitragen, die heimische Produktion von Fisch und Gemüse nachhaltiger, unabhängiger und zukunftsfähiger zu gestalten und die regionale Versorgung zu stärken.

Danke an unseren Partner Manuel Großeiber

 

Die bestehende Anlage zu entwickeln, in Betrieb zu nehmen und zu betreuen, wäre ohne Manuel Großeiber, unserem Partnerbetrieb, nicht möglich gewesen. Er stand mit Rat und Tat zur Seite und hat maßgeblich zum Gelingen unserer Diplomarbeit beigetragen. Wir bedanken uns sehr herzlich für die wirklich tolle Zusammenarbeit.

 

 

Merkblatt mit unseren Erfahrungen und Tipps zu Aquaponik-Anlagen

 

 

 

 

Wir werden diesen Beitrag beim Vorliegen weiterer Infos zum Thema Aquaponik erweitern. Geplant ist das Veröffentlichen der Diplomarbeit und Erfahrungen mit Tipps und Tricks rund um Aquaponik. Ihre Fragen können Sie per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. stellen. 

Projektgruppe Aquaponik Ferdinand Flucher, Jakob Tritscher und Jakob Hernach