Die Landwirtschaft steht zunehmend unter dem Druck, ihren Beitrag zur Reduktion umwelt- und klimarelevanter Emissionen zu leisten. Besonders die Güllewirtschaft rückt dabei in den Fokus: Sie trägt maßgeblich zur Ammoniakemission bei und steht zusätzlich aufgrund der damit verbundenen Geruchsbelastung verstärkt im öffentlichen Interesse. In Österreich gehen rund 94 % der Ammoniakemissionen auf die Landwirtschaft zurück, wobei Stall und Lagerung (46 %) sowie die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern (43 %) als Hauptquellen identifiziert wurden. Die zunehmende Umstellung auf Laufställe hat die Güllewirtschaft weiter verstärkt und damit auch die Geruchswahrnehmung in ländlichen wie stadtnahen Gebieten – mit entsprechendem Konfliktpotenzial nimmt dadurch zu.
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Einsatz von Güllezusatzmitteln zur Minderung von Emissionen und Gerüchen an Bedeutung. Bisher mangelt es jedoch an umfassenden wissenschaftlichen Studien, die deren tatsächliche Wirksamkeit systematisch bewerten. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an: Es untersucht marktübliche Produkte gezielt und bewertet ihr Potenzial zur Reduktion von Ammoniakemissionen und Geruchsbelastung objektiv. Ziel ist es, fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und praxistaugliche, evidenzbasierte Lösungen für die Landwirtschaft bereitzustellen, die Landwirten eine verlässliche Entscheidungsgrundlage bieten.
Projektziele
Im Rahmen des Projektes werden folgende zentrale Ziele verfolgt:
- Abschätzung des Reduktionspotenzials klima- und ökosystemrelevanter Emissionen durch den Einsatz unterschiedlicher Güllezusatzmittel.
- Bewertung der tatsächlichen Emissionsminderungswirkung dieser Produkte unter praxisnahen Bedingungen.
- Erarbeitung praktikabler Anwendungsempfehlungen für landwirtschaftliche Betriebe.
- Durchführung von Arbeitsgruppen zur Diskussion der gewonnenen Ergebnisse und Ableitung umsetzbarer Maßnahmen.
- Beurteilung von Ammoniakemissionen mit und ohne Zusatzmittel.
- Hochrechnung des nationalen Emissionsminderungspotenzials für Österreich.
- Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in geeigneten Beratungspublikationen zur direkten Weitergabe an die Praxis.
Gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Bedeutung
- Verlässliche Aussagen zur Geruchsreduktion durch Güllezusatzmittel werden möglich.
- Beitrag zur Vermeidung von Strafzahlungen an die EU durch Einhaltung von Emissionsgrenzwerten.
- Verbesserung der Luftqualität durch Reduktion feinstaubverursachender Ammoniakemissionen – ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Gesundheit.
- Unterstützung von Herstellerfirmen bei der Entwicklung wirksamer Produkte.
Betriebswirtschaftliche Bedeutung
- Investitionen in emissionsmindernde Maßnahmen basieren auf belastbaren Ergebnissen.
- Potenzielles Einsparungspotenzial von rund 1 Mio. Euro pro Jahr durch verbesserte Stickstoffeffizienz.
Umweltpolitische Bedeutung
- Beitrag zur Reduktion von Ammoniakemissionen und damit zur Verringerung der Feinstaubbelastung.
- Minderung der Eutrophierung und Versauerung empfindlicher Ökosysteme.
- Umsetzung nationaler und internationaler Klimaschutzverpflichtungen, insbesondere im Rahmen der NEC-Richtlinie.
Möglichkeiten der wissenschaftlichen Verwertung
Die Forschungsergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag zur emissionsmindernden Weiterentwicklung der Güllewirtschaft. Neben der direkten Umsetzung auf landwirtschaftlichen Betrieben fließen die Resultate auch in die Beratung ein und werden über Fachpublikationen sowie nationale und internationale Fachveranstaltungen verbreitet. Damit entsteht ein direkter Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Beratung und Praxis – ein entscheidender Schritt zur umweltgerechten und zukunftsfähigen Weiterentwicklung der österreichischen Landwirtschaft.
weiterführende Infos
Biogasgülle und Wirtschaftsdüngerbehandlung
Innovation Farm auf der Rieder Messe
Klimafit in eine lebenswerte Zukunft
Gülleprüfanlage der Raumberg-Gumpenstein Research & Development






