• Home
  • Forschungsprojekte
  • Erfolgreicher Abschluss des IBeSt-Projekts: „Innovationen für bestehende Aufzucht- und Mastställe für Schweine in Österreich – zum Wohl von Tier und Mensch“ (IBEST)

Erfolgreicher Abschluss des IBeSt-Projekts: „Innovationen für bestehende Aufzucht- und Mastställe für Schweine in Österreich – zum Wohl von Tier und Mensch“ (IBEST)

ProjektleiterIn

Heidinger Birgit, Dr.in

Dr.in Birgit Heidinger

Institutsleitung Tier, Technik und Umwelt
IBEST - Forschungsprojekt an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

IBEST - Forschungsprojekt an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

 (c) HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Projekthintergrund:

Das „unstrukturierte Vollspaltensystem“ in der Schweinehaltung ist in öffentliche Kritik geraten und auch vor diesem Hintergrund wurde im Juli 2022 die erste Tierhaltungsverordnung novelliert.

Was vielfach nicht bekannt ist: Bereits Ende 2019 suchten Vertreter der „Jungen Veredler“ (Plattform zur Vernetzung junger Schweinebäuerinnen und -bauern) den Kontakt zum BMLUK (Blaas) und zur HBLFA Raumberg-Gumpenstein (Heidinger und Zentner). Wunsch war es, ein Projekt zu initiieren, in welchem bestehende Haltungssysteme im Schweinebereich weiterentwickelt werden. Analog zum Projekt „Pro-SAU“ zur Evaluierung von neuen Abferkelbuchten mit Bewegungsmöglichkeit für die Sau sollten dabei Wissenschaft und Praxis erneut zusammenarbeiten, um gemeinsam praxistaugliche Umbaulösungen bzw. Haltungsverbesserungen für die Ferkelaufzucht und Schweinemast auszuarbeiten und zu untersuchen.

Projektziel:

Ziel dieses Projekts war die umfassende Erörterung von Umbaulösungen für bestehende Ställe in der konventionellen Ferkelaufzucht und Schweinemast mit Fokus auf Verbesserungen des Tierwohls unter Berücksichtigung der Ökonomie, Arbeitswirtschaft und Umweltwirkung (Emissionen, u.a. NEC-Richtlinie). Neben den Innovationen für die Tiere stand als Besonderheit in diesem Projekt auch der:die Landwirt:in als Mensch, als Tierhalter:in und als Mitglied der Gesellschaft, im Mittelpunkt.

Fragestellung:

Wie können bestehende Haltungssysteme in der Ferkelaufzucht und Schweinemast verbessert werden und welche Effekte hat dies auf Tier, Mensch und Umwelt?

Projekt-Partner:innen:

Um die vielfältigen Themenbereiche zu bearbeiten, wurden insgesamt 6 Arbeitspakete (siehe Organigramm) eingerichtet und von zahlreichen Institutionen mit breiter fachlicher Ausrichtung zum Thema Schweinehaltung bearbeitet:

  • HBLFA Raumberg-Gumpenstein (HBLFA Ra-Gu)
  • Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)
  • Schweinehaltung Österreich
  • Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik (HAUP)
  • Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)
  • Universität Rostock
  • Messerli Institut Wien
  • LSB & Trainer

Die Projektlaufzeit war von Dezember 2021 bis Dezember 2025 vorgesehen und die Finanzierung erfolgte durch das BMLUK und die Bundesländer.

Projektbetriebe & Maßnahmen:

Im Projekt waren 15 Praxisbetriebe (7 Ferkelaufzucht- und 8 Mastbetriebe) sowie der Forschungsstall für Mastschweine der HBLFA Raumberg-Gumpenstein beteiligt.

Je Betrieb wurden individuelle „Maßnahmenpakete“ umgesetzt, diese beinhalteten:

  • mehr Platz je Tier (0,4 m2 in der Ferkelaufzucht und 0,8 m2 in der Mast bzw. +0,1 m2 Unterschied zur bestehenden Situation am Betrieb)
  • größere Buchten (ca. 10 m2 in der Aufzucht, ca. 20 m2 in der Mast)
  • Einrichtung von Funktionsbereichen: Ausgestaltung eines Liegebereichs auf zumindest 1/3 der Buchtenfläche, z.B. durch reduzierten Perforationsanteil, Gummimatten, etc.
  • Kühlmöglichkeit (Mast) bzw. Temperaturzonenbildung (Ferkelaufzucht)
  • zusätzliches Beschäftigungsmaterial (veränderbar, kaubar, wühlbar, fressbar)

In jedem Betrieb wurden dabei 1-2 Buchten bzw. ein Abteil umgebaut und ein Vergleich zur Kontrolle (nicht umgebaute Buchten bzw. Abteile) angestellt. Im „Arbeitspaket Tier“ wurden die Auswirkungen der Umbaumaßnahmen auf die Schweine u.a. an Hand von tierbezogenen Indikatoren, Verhaltensbeobachtungen und Behandlungsdaten evaluiert. Um die ökonomischen und arbeitswirtschaftlichen Veränderungen ermitteln zu können, wurde das „Arbeitspaket Ökonomie und Arbeitswirtschaft“ eingerichtet. In diesem wurden entsprechende Erhebungen (z.B. Umbaukosten, biologische Leistungen) und Kalkulationen durchgeführt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen von höheren Tierwohlstandards im Vergleich zur Ausgangssituation (bisheriger Mindeststandard) zu ermitteln. Im der Schweinehaltung Österreich geleiteten „Arbeitspaket Praxis“ wurden stallbauliche Konzepte ausgearbeitet, regelmäßig Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Projektbetrieben geboten und gleichermaßen der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis bzw. Beratung gefördert.

Als absolute Besonderheit im Projekt wurden im „Arbeitspaket Mensch“ die teilnehmenden bäuerlichen Familien in den Fokus der Forschungsarbeit gerückt: In Workshops und durch Erhebungen werden u.a. Fragen zu ihrer Motivation den Stall zu adaptieren und die Auswirkung auf die Arbeitsqualität erörtert sowie eine Diskussion über die gesellschaftlichen Anforderungen und die häufig erlebten Anfeindungen geführt.

Im Rahmen des „Arbeitspakets Stallklima und Umweltwirkungen“ wurden in den 15 Projektbetrieben versuchsbegleitende stallklimatische Untersuchungen durchgeführt. Zusätzlich bot der Mastschweine-Forschungsstall an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein die einzigartige Möglichkeit gasförmige Emissionen zu erheben. Eine mögliche Veränderung des Emissionspotenzials von umgebauten Stallungen ist insbesondere im Hinblick auf baubehördliche Genehmigungen und betreffend Ammoniak hinsichtlich der NEC-Richtlinie von Relevanz.

Das sechste und letztes Arbeitspaket war jenes zur „Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“. In diesem wurde gemeinsam mit ExpertInnen der landwirtschaftlichen und ernährungsbezogenen Kommunikation (Land schafft Leben, Esserwisser, AMA-Marketing) der Wissenstransfer aus dem Projekt in die landwirtschaftliche Praxis forciert. Auch wurde gezielt Aufklärungsarbeit über Themen der Schweinehaltung betrieben, um das Verständnis und die Akzeptanz in landwirtschaftsfernen Gesellschaftsschichten zu fördern. In diesem Zusammenhang wurden eine eigene Projekt-Homepage und Social-Media-Kanäle eingerichtet, über die projektbegleitend aktuelle Informationen veröffentlicht wurden:

Homepage des Projekts: https://short.boku.ac.at/IBeSt

Social Media: https://www.instagram.com/ibest_schwein/

https://www.facebook.com/p/IBeSt-Zum-Wohl-von-Tier-Mensch-61554100156175/?_rdr

Ausgewählte Ergebnisse:

Der Abschlussbericht des Projekts ist mit allen Ergebnissen der Arbeitspakete sehr umfangreich – an dieser Stelle sollen einige zentrale Erkenntnisse genannt werden:

  • Die Einbindung von praktischen Betrieben in dieser „Multi-Farm-Studie“ war unabdingbar, um valide Erkenntnisse und praxistaugliche Lösungen zu erhalten. Am Projekt teilnehmende Praxisbetriebe nahmen eine Vorreiterrolle ein: Ihre Erkenntnisse sind essenziell für einen zielgerichteten Wissenstransfer in der Branche und somit für die nachhaltige und erfolgreiche Umsetzung auf breiter Ebene.
  • Die Berücksichtigung des „Faktors Mensch“ wird aufgrund des positiven Feedbacks von Projektteilnehmer:innen auch für weitere Forschungsprojekte empfohlen. Um einen Weg der Veränderung erfolgreich beschreiten zu können, ist es von zentraler Bedeutung, die Landwirt:innen als Menschen entsprechend zu begleiten und ihre Stimme zu hören.
  • Die Adaption der Haltungssysteme und deren Management sind mit Kosten verbunden: Die Mehrkosten und die Änderung des Einkommensbeitrags variieren beträchtlich zwischen den Betrieben. Die Minderbelegung in den Buchten auf Grund des höheren Platzerfordernisses spielt hierbei eine zentrale Rolle.
  • Die Untersuchungen im österreichweit einzigartigen Forschungsstall für Mastschweine in Raumberg-Gumpenstein bildeten eine wesentliche Ergänzung zu jenen in den Praxisbetrieben. Die vorgenommenen Emissionsmessungen sind von zentraler Bedeutung für stallbauliche Genehmigungs- und Beschwerdeverfahren. Hinsichtlich Geruch, Ammoniak (NEC-Richtlinie) und Feinstaub lagen keine genehmigungsrechtlich relevanten Unterschiede zwischen den IBeSt-Abteilen und dem Kontrollabteil (nach bisherigem Mindeststandard) vor.
  • Die im Forschungsstall generierten praktischen Erfahrungen fließen gemeinsam mit jenen aus den Praxisbetrieben in einen Erfahrungskatalog ein und werden als Informations- und Beratungstool zur Verfügung gestellt.
  • Das Maßnahmenpaket hatte hinsichtlich Tierwohl meist geringe, aber wesentliche positive Effekte, kaum negative bzw. hinsichtlich einiger Indikatoren (betriebsindividuell, vor allem Aufzucht) keine Auswirkungen. Besonders hervorzuheben ist das geringere Auftreten von Tieren, die beim Schwanzbeißen beobachtet wurden, sowie die reduzierte Prävalenz an Schwanzverletzungen in der Mast, welche auf positive Effekte des Maßnahmenpakets hinweisen.

Bei all diesen wichtigen Erkenntnissen ist auch klar: Es wird nicht mehr das „One-Size-Fits-All-System“ in der Schweinehaltung geben. Denn durch den über das Projekt erfolgten Anstoß und auch durch den gesetzlich implementierten neuen Mindeststandard werden auf den Betrieben sehr viele neue Innovationen entstehen und die Schweinehaltung in Österreich deutlich vielfältiger werden.

 

Bilder:

 

Film:

 

 

Abschlussbericht

 

Innovationen für bestehende Aufzucht- und Mastställe für Schweine in Österreich – zum Wohl von Tier und Mensch

Heidinger Birgit (2021 - 2025)
Loading...
Loading...
Loading...
Institut 3 - Tier, Technik Umwelt