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Tiergesundheitliche Aspekte

Im Zusammenhang mit der Weidehaltung von Rindern sind folgende tiergesundheitliche Aspekte von besonderer Bedeutung bzw. müssen im Weidemanagement beachtet werden.

Im Zusammenhang mit der Weidehaltung von Rindern sind folgende tiergesundheitliche Aspekte von besonderer Bedeutung bzw. müssen im Weidemanagement beachtet werden.

Im Zusammenhang mit der Weidehaltung von Rindern sind folgende tiergesundheitliche Aspekte von besonderer Bedeutung bzw. müssen im Weidemanagement beachtet werden.

 HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Klauenpflege

Gesunde Klauen sind die Voraussetzungen, dass auf der Weide ausreichend Futter aufgenommen werden kann. Spätestens drei bis vier Wochen vor Weidebeginn sollten die Klauen der Rinder überprüft und bei Bedarf einer funktionellen Klauenpflege unterzogen werden. Möglicherweise ist auch im Herbst eine Kontrolle der Klauen bzw. Klauenpflege erforderlich.

Weiche und trockene Triebwege bzw. gut angelegte Tränkestellen tragen zu einer guten Klauengesundheit bei.

Euterpflege

Die Umstellung von der Stallhaltung auf die Weidehaltung stellt auch für die Zitzenhaut von Milchkühen eine Belastung dar, weil Kälte, Hitze, Regen und Sonneneinstrahlung die nicht an diese Konditionen gewöhnte Zitzenhaut belasten. Eine rissige und nicht geschmeidige Zitzenhaut kann Euterentzündungen fördern. Die am Markt befindlichen Euterpflegemittel enthalten Pflegesubstanzen, um die Zitzenhaut geschmeidig zu halten. Außerdem sind in manchen Produkten Substanzen enthalten, die Fliegen abhalten können. Eine langsame und zeitige Umstellung auf Weidehaltung im Frühjahr ist auch günstig für die Zitzenhaut.

Parasiten und Blutharnen

Um eine hohe Parasitenbelastung zu vermeiden, ist es zuerst einmal wichtig, einen Überbesatz zu vermeiden. (nicht über 2 GVE/ha). Weiters sollen künstliche Tränken angelegt werden. Speziell um den Befall mit Leberegel zu unterbinden, ist es notwendig, dass Feuchtstellen und Tümpel im Umkreis von 2 Metern ausgezäunt werden. Ein Wechsel zwischen Weide- und Schnittnutzung ist hinsichtlich Parasitendruck günstiger.

Eine Kontrolle des Parasitenbefalls der Weidetiere zur Erhaltung der Tiergesundheit ist unabdingbar. Es ist sinnvoll, in regelmäßigen Abständen Kotproben auf ausgeschiedene Eier zu untersuchen. Bei hohem Infektionsdruck kann es notwendig sein, strategische Behandlungen durchzuführen zu müssen.

Besonderes Augenmerk ist auf den Befall mit Lungenwurm zu achten (Beginnt mit vermehrten Husten und beschleunigter Atmung). Tiere, die sich schon einmal infiziert haben, bilden eine Immunität aus, die aber nur durch Aufnahme von einer geringen Anzahl von Lungenwürmern weiter aufrechterhalten wird. Empfängliche Milchrinder dagegen erkranken hochakut, sodass eine Behandlung notwendig ist. Die Ausheilung dauert sehr lange. Eine feuchtwarme Witterung und feuchte Weiden begünstigen den Lungenwurmbefall.

Die Babesien, die das Blutharnen verursachen, werden durch Zecken übertragen. Je nach Region und Zeckenart ist das zeitliche Auftreten von Babesiosen sehr unterschiedlich. Auf Grund der Saisonaktivität der Zecken kommt es meist im Mai und Juni sowie im September und Oktober zu Ausbrüchen. Zur Erkrankung kommt es, wenn Jungtiere erst im Alter von über 9 Monaten von infizierten Zecken befallen werden oder wenn empfängliche Tiere in endemische Regionen gelangen. Jungtiere bis zu einem Alter von 9 Monaten sind durch eine Jugendresistenz vor der Erkrankung geschützt. Die ausgebildete Immunität schützt sie in den folgenden Lebensjahren. In bekannten Babesiengebieten ist die wichtigste Maßnahme das Fernhalten empfänglicher Tiere von den Zeckenhabitaten (Rändern von Weiden) bzw. das konsequente Weiden der Jungtiere (Jugendresistenzbildung).

Hitze

Je nach Leistungsniveau und Umweltbedingungen kann in unseren Breiten ab Temperaturen von 25 bis 28 °C von beginnendem Hitzestress bei Rindern ausgegangen werden. Bei darüber hinaus gehenden Temperaturen erhöht sich die Atemfrequenz, nimmt die innere Körpertemperatur zu und geht die Futteraufnahme und Milchleistung zurück und steigt die Stoffwechselbelastung. Dieser Stress reduziert aber auch die Abwehrkräfte der Tiere, sodass auch vermehrt Euterentzündungen auftreten können. Abhilfe kann an heißen Tagen durch das Anbieten von Schattenplätzen  (freier Zugang zum Stall, verkürzte Weidedauer, Schattenplätze unter Bäumen etc.) oder auch durch das Anbringen einer Sprenkelanlage geschaffen werden. Auch auf die Bedeutung einer ständig zugängigen Wasserversorgung wird in diesem Zusammenhang hingewiesen.

Blähungen

Man unterscheidet zwischen schaumiger Blähung oder vergrößerter Gasblase. Bei Blähungen auf der Weide trifft man häufiger auf eine schaumige Gärung. Folgende Faktoren erhöhen das Weideblährisiko:

  • Ein unvorbereiteter Weidebeginn im Frühling
  • Ein hoher Kleeanteil im Weidebestand (über etwa 30 %)
  • Hoher Zucker- und Eiweißgehalt in jungem Futter
  • Bestoßung frischer Weiden
  • Tage an denen die Kühe hastig fressen (späterer Austrieb, neue Koppel)
  • Bei Koppel- und Portionsweide höheres Risiko als bei Kurzrasenweide
  • Kühe kommen nüchtern mit Heißhunger auf die Weide
  • Frostiges Futter
  • Aufnahme von warmem „gärigen“ Futter im Stall
  • Eventuell nach warmen Nächten bzw. warm-windigen Tagen

Wenn mehrere Punkte gemeinsam auftreten, besteht größte Blähgefahr!

Bei schaumiger Gärung können in einem frühen Behandlungsstadium Blähöle oder spezielle oberflächenentspannende Medikamente wie Siccaden® (bzw. im Notfall auch Speiseöle oder Rizinusöl) über eine Schlundsonde mit viel Flüssigkeit eingegeben werden. Dadurch sollen die Schaumbläschen zerfallen, wodurch das Gas abgegeben oder abgelassen (Schlauch) werden kann. Der Tierarzt hat die Möglichkeit, durch bestimmte Injektionspräparate eine Entspannung des Schlundes und der Schlund-Pansenöffnung zu bewirken, wodurch Gase leichter aufgestoßen werden können.  

Der Pansenstich mit einem Trokar (linke Hungergrube!) war eine weit verbreitete Methode zur „Behandlung“ geblähter Rinder. Die Komplikationen, welche im Anschluss an eine Trokarierung zumeist auftreten sowie die Alternative, das Setzen einer Schlundsonde, lassen diese Methode als veraltet erscheinen. Neben Wundkomplikationen besteht die große Gefahr, dass Panseninhalt in die freie Bauchhöhle des Rindes gelangt und eine Bauchfellentzündung ausgelöst wird, die nur schwer zu behandeln ist. Sollte aus verschieden Umständen keine Pansenschlundsonde gesetzt werden können, so kann der Pansenstich als letzte, lebensrettende Maßnahme von einem Fachmann durchgeführt werden. Im Anschluss an einen Pansenstich sollte jedoch sofort eine chirurgische Sanierung durch einen Tierarzt veranlasst werden.

Praktische Vorgangsweise bei Pansenblähung:

  • - Absetzen des verursachenden Futters bzw. Tiere auf andere Weide treiben, um Neuerkrankungen zu vermeiden
  • Geblähtes Tier fixieren und bei Erfahrung Schlundsonde setzen (Betriebe mit hauptsächlicher Weidehaltung sollten bereits ein 2,20 – 2,50 m langes Schlauchstück zur Hand haben)
  • Nur erfahrene Landwirte sollten Präparate in den Pansen einschütten, es besteht die große Gefahr, dass die Sonde in der Luftröhre und nicht im Schlund sitzt (Einguss in die Lungen = Lungenentzündung/Tod des Tieres)
  • Nur bei stehenden Tieren sollte über die Schlundsonde oberflächen-entspannende Mittel und Wasser eingegeben werden, bei festliegenden Tieren ist äußerste Vorsicht geboten (wieder große Gefahr des Fehlschluckens) – es sollte nichts eingegeben werden
  • Rasch den Tierarzt rufen

Wasserversorgung

  • Weidetiere müssen ständig Zugang zu sauberem Wasser haben.
  • Wassermangel oder verschmutztes Wasser führen zu einer schlechteren Futteraufnahme, erhöht den Stress der Tiere und belas­tet den Stoffwechsel und die Tiergesundheit. So stellte Dr. Leisen 2003 (LWK Nordrhein-West­falen) bei einer Praxiserhebung erhöhte Zellzahlen auf Weidebetrieben fest bei:

             - nicht ausreichender Wasserversorgung (oder Wasserqualität), teilweise zu wenige Tränken

            -  zu großem Abstand zwischen Liegeflächen und Tränken

Tabelle: Richtwerte für den Wasserbedarf auf der Weide (aus ÖAG Info 4/2006)

 

Tränkwasserbedarf in l je Tier und Tag

Mittelwert

Maximalwert

Milchkühe

Mutterkühe

Kalbinnen über 1 Jahr

70

50

25

180

100 – 120

70

Erreichbarkeit innerhalb von 50 -150 m

  •  Je höher die Leistung desto kürzere Wege zur Wasserstelle sind anzustreben.
  • Sehr wichtig ist eine ausreichende Anzahl von Tränken (zumindest 2), bzw. eine entsprechende Länge des Troges mit einem hohen Wasserzufluss. Bei zu wenig Tränkemöglichkeiten nehmen rangniedrige Tiere weniger Wasser auf!

Wassertemperatur

Wassertemperaturen unter 15 °C sind anzustreben. Hohe Temperaturen im Sommer liefern Schadkeimen beste Wachstumsbedingungen. Das macht eine häufige Erneuerung des Tränkewassers (Fässer) bzw. Reinigung der Tränken im Abstand von ein bis zwei Tagen notwendig.

Verschmutztes Wasser darf nicht angeboten werden.

Auch feuchte Tränkestellen erhöhen das Parasiten- und Krankheitsrisiko. Günstige Versor­gungseinrichtungen stellen einfache Trinkwasserringleitungen, Quellfassungen, Weidebrunnen sowie Wasserfässer mit Tränkebecken dar. Eine Nutzung von Oberflächengewässern ist nicht zu empfehlen.

Weidepumpen müssen ausreichend dimensioniert sein, um längere Wartezeiten an der Tränke zu vermeiden. Um Boden- und Narbenschäden sowie Morastbildung im stark frequentierten Tränkebereich zu vermeiden, sollten die Versorgungseinrichtungen versetzbar sein oder wasserdurchlässig befestigt werden (ÖAG Info 4/2006).

Durch Tränkestellen Kot- und Harnverteilung lenken.

Eine gleichmäßige Verteilung der Tränkestellen verbessert die Verteilung der Kot- und Harnausscheidungen.

Mineralstoffversorgung

Im Winter erfolgt Mineralstoffversorgung oft über Kraftfutter, Lecksteine oder über Mineralstoffmischungen die über das Grundfutter gestreut werden. Diese Zuteilungsmöglichkeiten fallen bei Ganztagsweide oder Vollweide (zum Teil) weg. Teilweise fehlt den Rindern in der Weidesaison  auch die Zeit im Stall ausreichend Mineralstoffkomponenten aufzunehmen.

  • Zur Sicherung der Natriumversorgung sind Salzlecksteine im Stall  und auch auf den Weiden  anzubringen.
  • Insbesondere zu Weidebeginn sind magnesiumreiche Mineralstoffmischungen zu empfehlen.
  • Eine Ergänzung mit Spurenelementen (Selen, Zink, Kupfer etc.) ist häufig notwendig.   
  • Zumeist erfolgt die gezielte Mineralstoffergänzung bei Milchkühen über eine kleine Gabe von einer Mischung aus Kraftfutter+Mineralstoffmischung am Futtertisch oder im Melkstand.  
  • In der Aufzucht, Weidemast oder Mutterkuhhaltung  werden Lecksteine oder Mineralleckschüsseln angeboten. Diese sind nach Möglichkeit vor Regen zu schützen.

Triebwege

Wer Weidetriebwege mit System anlegt, spart damit Arbeitszeit, stärkt Klauen- und Eutergesundheit und schont Weideflächen.

Bei Weidehaltung müssen Milchkühe zweimal täglich von der Weide in den Stall gehen. Es ist daher sinnvoll tiergerechte, kostengünstige und arbeitszeitsparende Triebwege zu errichten. Die Triebwege sollten zumindest 10-20 Jahre ohne größeren Aufwand halten und möglichst viele Weideflächen erschließen. Günstig ist es, wenn die Tiere jederzeit von der Weide in den Stall gehen können. Insbesondere an heißen Tagen suchen die Kühe nämlich kühle Stallungen sehr gerne auf. Darüber hinaus können aus dem Melkstand kommende Kühe sofort wieder zum Fressen auf die Weiden wandern.

Wegbreite je nach Kuhherde

Je größer die Herde ist, desto breiter sollte der Weg ausgeführt werden. Im Anfangsbereich ist eine Wegbreite von 3 bis 5 Metern günstig. Bei kleinen Herden kann der Weg dann auf bis zu 1 m Breite  reduziert werden. Elektrozäune müssen etwa 50 cm vom Wegrand entfernt aufgestellt werden, weshalb sich dadurch eine Gesamtbreite von ca. 2 m ergibt. Bei größeren Herden über 40-50 Kühe sind Wegbreiten von 3 bis 4 m günstig, da ansonsten der Eintrieb viel Zeit kostet.

Boden beachten

Die Dauerhaftigkeit eines Triebweges hängt stark vom Untergrund und der Möglichkeit des Wasserabflusses wie z.B. Drainagen ab. Weiche Triebwege – die jedoch rasch abtrocknen – sind grundsätzlich harten Bodenausführungen vorzuziehen. Diese schonen nicht nur die Klauen, sie werden auch von den Kühen bevorzugt aufgesucht. Kühe treten sich in defektes Sohlenhorn grobes steiniges Material sehr leicht ein. Wenn Kühe lange Strecken auf harten Böden zurücklegen müssen, kann dies zu Belastungsklauenrehen führen.

- Für lange Wegstrecken ist eine 10 bis 20 cm dicke Holzspäne- und Rindenschicht auf einem wasserdurchlässigen Untergrund zu empfehlen. Die Beständigkeit (Humusierung) ist jedoch insbesondere bei feuchten Bedingungen (Wasser, Schatten) gering.
- Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von feinem Sand, der feucht aufgestreut und danach gut verdichtet wird.
- Säurebeständige Asphalt- und Betonwege sind sehr dauerhaft, gut befahrbar, jedoch teuer und bergen bei abfallenden Wegen eine Rutschgefahr. Wenn Steine auf diesen Böden liegen, können sich Kühe diese sehr leicht in defektes Sohlenhorn eintreten. Für lange Triebwege sind diese harten Untergründe jedoch nicht zu empfehlen.
- Es können auch Betonlochsteine (Gartenbau) oder alte Spaltenböden aufgelegt werden. Die Hohlräume werden entweder mit Sand aufgefüllt oder mit Humus gefüllt und eingesät.
- Aus der Pferdehaltung kommt der Einsatz von mit Sand aufgefüllten Kunststoffgittern. Diese werden zumeist ebenfalls mit Hackschnitzel abgedeckt.
- Wenn Geländestufen über 30 % überwunden werden müssen, sind mit Erde oder Holzspänen hinterfüllte Holzschwellentritte (weiche Auftrittfläche zumindest 50 cm breit) zu empfehlen.

Triebwegquerungen

Mit Weidezauntoren, einfachen Spannbügeln oder über schwenkbare Elektrozaunschranken können Hofwege überquert werden. Letztere bestehen aus einem oder zwei elektrifizierten Schranken und Scharnieren zur Montage an Pflöcken. Sie ermöglichen das einfache und gefahrlose Durchfahren mit Fahrzeugen ohne auszusteigen. Nach der Durchfahrt wippt der Schranken in die Ausgangsposition zurück.

Tipp: Am Bio-Lehr- und Forschungsbetrieb Moarhof in 8950 Trautenfels (Bio-Institut) können unterschiedliche Triebwegausführungen und Weidezaunausführungen besichtigt werden. 

Zucht

In vielen Ländern ist in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Anstieg der Milchleistung bei Kühen in der Milchviehhaltung zu beobachten. Gleichzeitig ging bei steigendem Kraftfuttereinsatz der Weidegrasanteil in den Milchviehrationen zurück und die Kühe wurden größer und schwerer. Fasst man die Literaturergebnisse zur Eignung von Hochleistungstieren für die (konsequente) Weidehaltung zusammen, dann zeigt sich folgendes Bild:

Die tägliche Weidefutteraufnahme ist im Gegensatz zur Stallhaltung mit 15–20 kg T pro Tier stärker begrenzt. Als Ursachen dafür werden die begrenzte Fresszeit, Bissfrequenz und Bissanzahl diskutiert.

Scharfe Hochleistungstiere mobilisieren zu Laktationsbeginn im Vergleich zu niedrig leisten­den Kühen über einen längeren Zeitraum und auch deutlich stärker Körperreserven.

Mit steigender Einzeltierleistung muss bei Weidehaltung mit einer stärkeren Stoffwechselbelastung (Nährstoffmobilisation, erhöhte Stoffwechselrate, Hitzestress etc.) gerechnet werden. Diese kann auch zu einer Verschlechterung der Fruchtbarkeitsergebnisse und Nutzungsdauer führen.

Wenn hohe Einzeltierleistungen mit größeren und schwereren Kühen verbunden sind, dann ist von stärkeren Trittschäden auf den Weiden auszugehen. 

Grundsätzlich kann extensiv wirtschaftenden Betrieben bzw. biologisch wirtschaftenden Betrieben empfohlen werden, bei der Zuchttierauswahl verstärktes Augenmerk auf die Lebensleistung, die Fitnessmerkmale und den Rahmen (nicht zu groß und schwer) zu legen.


Empfehlungen zur Bio-Milchviehzucht

Links (zu unserem Homepagebereich) Weide-Infos:

Ergebnisse zum Schweizer Systemvergleich - Hochleistung bzw. Vollweidehaltung von Milchkühen (Systemvergleich Milchproduktion Hohenrain)

Fliegenbelastung

Man kann zwischen stechenden Fliegen nicht stechenden Fliegen und Bremsen unterscheiden. Stechende Fliegen saugen mehrere Male pro Tag an Tieren. Sie benötigen Eiweiße des Blutes zur Entwicklung ihrer Brut. Nicht stechende Fliegen ernähren sich von Sekreten aus natürlichen Körperöffnungen, aus Hautverletzungen und aus nachblutenden Stichen von Bremsen und Stechfliegen. Sie sind ebenfalls auf Eiweiße zur Entwicklung ihrer Brut angewiesen.

Stechende Fliegen

  • Kleine Weidestechfliege (Haematobia irritans)
  • Große Weidestechfliege (Haematobia stimulans)
  • Wadenstecher (Stomoxys calcitrans)

Nicht-stechende Fliegen

  • Augenfliege (Musca autumnalis)
  • Kopffliege (Hydrotaea irritans)
  • Gr. Stubenfliege (Musca domestica)
  • Kleine Stubenfliege (Fannia canicularis)

Tabelle: Fliegenentwicklung

Stadium

Entwicklungsdauer

Optimale Temperatur

Ei

8 Tage

37 °C

Larve

6 Tage

36 °C

Puppe

4 Tage

29 °C

 

Lebensdauer

Eiproduktion

Fliege

14-18 Tage

600

Die Lebensdauer einer Fliege beträgt zwischen 14 und 18 Tagen. In dieser Zeit legt die Fliege ca. 600 Eier. Die optimalen Temperaturen für die Entwicklung der unterschiedlichen Entwicklungsstadien und die Dauer dieser Entwicklung sind aus der Tabelle Fliegenentwicklung ersichtlich.

2)  Übertragbare Krankheiten

Fliegenbelastungen führen zu einer Beunruhigung der Tiere, die sich im rastlosen Umherwandern, in Abwehrbewegungen, Ohrbewegungen, Hautzuckungen und einer Abnahme der Milchleistung (und Gewichtszunahme) bis zu 20 % zeigen kann. Außerdem können Fliegen Krankheiten übertragen (Tabelle übertragbare Krankheiten)

Tabelle: übertragbare Krankheiten

Krankheit

Erreger

Symptome

Mastitis

Bakterien

Eitrige Mastitis mit Abszeßbildung

Weidekeratitis

Bakterien

Entzündung der Augenbindehaut und der Hornhaut

Milben

Parasiten

Räude

Rinderflechte

Pilzsporen

Hauterkrankung

Spulwurminfektionen (Eiübertragung)

Parasiten

Leistungsdepression

E. coli  Infektionen

Bakterien

u.a. Durchfälle

Pasteurellen

Bakterien

Atemwegsinfektionen

Maul- und Klauenseuche

Virus

Bis hin zu Todesfällen

Kokzidien

Einzeller

Durchfälle

Brucellose

Bakterien

Umrauschen / Aborte

Dysenterie

Bakterien

Blutiger Durchfall

3) Bekämpfungsmöglichkeiten

Aus der Tabelle Möglichkeiten der Weidefliegenbekämpfung ist ersichtlich, dass es Arzneimittel gibt, die auch gegen Fliegen eine Wirkung haben. Ohrclips sind eine gute Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum eine Wirkung zu erzielen, für Biobetriebe ist aber auf die Wartezeitenregelung hinzuweisen.

Die Implementierung des Biozid-Produkte-Gesetzes hatte zur Folge, dass der §11B Arzneimittelgesetz ersatzlos gestrichen wurde (BGBl. I Nr. 34/2005). Die nach §11B Arzneimittelgesetz gemeldeten Produkte dürfen aber weiterhin in Verkehr gebracht werden. Nach einer Novellierung des Arzneimittelgesetzes wird sich entschieden, ob diese Produkte dann als Arzneimittel oder als Biozid-Produkte in Verkehr gebracht werden.

Es sind einige Dippmittel am Markt, die einen gewissen Schutz gegen Fliegenbelastung an der Zitze / am Euter aufweisen. In der Tabelle Möglichkeiten der Weidefliegenbekämpfung sind beispielhaft einige angeführt.

Tabelle: Möglichkeiten der Weidefliegenbekämpfung, Stand der Informationen: 11.7.2012

Handelsname

Wirkstoff

Wirkdauer

Wirkung gegen

Anmerkung

WZ

WZ BIO

Fleisch

Milch

Fleisch

Milch

Arzneimittel pour   on

Eprinex pour on

Eprinomectin

Bis 7 Tage

Endo- und Ektoparasiten,

kl. Weidestechfliege

 

15

0

30

2

Ivomec pour on

Ivermectin

Bis 35 Tage

Endo- und Ektoparasiten,

kl. Weidestechfliege

 

35

kM

70

kM

Cydectin 0,5 % pour on Lösung

Moxidectin

 

Endo- und Ektoparasiten, Hornfliege

 

14

6

28

12

Butox 7,5

Deltamethrin

6 - 10 Wochen

Weidefliegen, Haarlinge, Läuse

 

18

0

36

2

Arzenimittel Ohrclips

Auriplak

Permethrin

5 Monate

Kl. + Gr. Weidestechfliege, Augenfliege, Kopffliege, Regenbremse

Nur zur Anwendung

auf der Weide

0

0

2

2

Fectron

Cypermethrin

4 - 5 Monate

Kl. + Gr. Weidestechfliege, Augenfliege, Kopffliege, Regenbremse

 

0

0

2

2

AMG §11B

Bayofly pour on

Cyflutrin

4 - 6 Wochen

Fliegen, Bremsen

kein AM, §11B, AMG

 

Nicht für Biobetriebe

Tectonik pour on

Permethrin

7 - 11 Wochen

Fliegen, Läuse

kein AM, §11B, AMG

Biozide

Biocid Insect Blocker

Pyrethrum Extrakt

   

Pour on

 

Neem Pro® Sheep

NeemAzal (Margosa Extrakt)

10 - 16 Wochen

Stechmücken. Gnitzen, Maden, Schaflaus

www.trifolio-m.de

Dippmittel mit   Fliegenschutz (Beispiele)

HM VIR Film

     

www.hypred.de

 

HM VIR Blau

     

Filmadine

     

www.masterrind.com

SensoDip 50R

     

www.westfalia.com

Film Utile D

     

www.ecolab.at

              kM: nicht bei laktierenden Tieren anwenden,  AM: Arzneimittel,  AMG: Arzneimittelgesetz

weiterführende Links