NEWSLETTER
Unser Newsletter informiert Sie über Neuigkeiten, Veranstaltungen und Fachtagungen aus Lehre und Forschung. Werden auch Sie unser Abonnent!
Wir halten Sie am Puls der Zeit!

Pflanzenkrankheiten

Pflanzenkrankheiten im Überblick

Fusarium-Ährenverbräunung bei mehrzeiliger Wintergerste. Auf dem untersten Korn sind weißliche Fusarium-Pilzrasen zu erkennen.

Fusarium-Ährenverbräunung bei mehrzeiliger Wintergerste. Auf dem untersten Korn sind weißliche Fusarium-Pilzrasen zu erkennen.

 HBLFA Raumberg-Gumpenstein

 Zwergsteinbrand (Tilletia controversa)

Der Zwergsteinbrand (Tilletia controversa) ist ein bodenbürtiger Pilz, der bei Winterweizen und Dinkel nach langer Schneebedeckung zu Ertragseinbußen und einer Kontaminierung des Ernteguts mit dem Toxin Trimethylamin führen kann. In Österreich sind das Mühl- und das Waldviertel seit langem als Zwergsteinbrandrisikogebiete bekannt. Während des letzten Jahrzehnts hat sich das Zwergsteinbrandproblem jedoch zunehmend auch in niedrigere Lagen des Nördlichen Alpenvorlands und damit in die Gunstlagen des Getreideanbaus verlagert. Der Zwergsteinbrand ist damit von einem Randthema zu einem ernsten Problem für den biologischen Ackerbau in Österreich geworden.

Ein Frühanbau kann den Zwergsteinbrandbefall erheblich senken. In Arnreit im Mühlviertel wies ein von 2. bis 24. August während des Untersuchungszeitraums 2003 bis 2013 angebauter Dinkel einen durchschnittlichen Befall von 23 Sporen/Vese auf, während ein zum „Normalanbautermin" (26. 9. bis 4. 10.) angebauter Dinkel von durchschnittlich 1993 Zwergsteinbrandsporen/Vese befallen war. Ins Gewicht fallende pflanzenbauliche Nachteile waren beim Frühanbau nicht festzustellen. Für das Alpenvorland ist der Frühanbau leider keine Option, da in den niedrigeren Lagen bei Frühanbau mit verstärktem Virusbefall zu rechnen ist.

Beizen mit Cuprofor, Tillecur, Magermilchpulver und Jauche + Kalk brachten keine, eine Kombination von Edaphos und Polyversum (Pythium oligandrum) nur eine Reduzierung des Zwergsteinbrandbefalls um 16%.
In den Jahren 2005 bis 2013 an der Versuchsstation Lambach/Stadl-Paura durchgeführte Infektionsversuche zeigten überraschend große Unterschiede in der Sortenresistenz gegenüber Zwergsteinbrand. Als stark anfällig erwiesen sich die Sorten Vulkanus, Ubicus, Capo, Pannonicus, Eriwan, Peppino, Stefanus, Erla Kolben, Edison, Donnato und Midas. Mittlere Werte wiesen Asita, Pollux, Estevan, Bitop, Antonius, Exklusiv Element, Energo, Lucio und Arnold auf. Wiwa, Saturnus, Indigo, Pireneo, Blasius, Astardo, Pegassos, Ludwig, Exklusiv, Butaro, Amicus, Bitop und Ataro waren am widerstandsfähigsten. Keine der aktuellen Sorten ist immun gegen Zwergsteinbrand. Bei Capo wurden sechsmal so viele Zwergsteinbrandähren gezählt wie bei Saturnus, sodass beim Anbau der Sorten mit den besten Resistenzdaten gegenüber den sehr anfälligen Sorten deutlich positive Effekte in Hinblick auf den Zwergsteinbrandbefall zu erwarten sind. Dinkel erwies sich resistenter als Weizen. Im Vergleich mit den Weizensorten Capo und Saturnus, welche mit Befallswerten von 6,1% und 0,9 % die Spannweite der bei den Weizen ermittelten Zwergsteinbrandresistenz repräsentieren, schnitt die Sorte Tauro mit 0,2% Zwergsteinbrandbefall vergleichsweise sehr gut ab. Die Sorten Ostro, Oberkulmer Rotkorn, Alkor, Samir, Ebners Rotkorn, Titan, Steiners Roter Tiroler und Schwabenkorn hatten einen Befall von 0,5 bis 0,9%. Das Frankenkorn war mit 1,6% Zwergsteinbrandbefall die anfälligste Dinkelsorte.

Kürbiskrankheiten

Der Ölkürbis galt in Österreich lange Zeit als weitgehend gesunde Kulturart, die gegen Ende der Vegetationsperiode nur vom Mehltau stärker befallen wurde. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, denn bereits während des Sommers kann es nun zum Absterben der Blätter kommen und auch eine Fruchtfäule bereitet den Bauern zunehmend Probleme.

Auslöser der Fruchtfäule war in den meisten Fällen der Pilz Didymella bryoniae. Wegen der teilweisen Schwarzverfärbung der Früchte wird diese Fäulnis auch Schwarzfäule (black rot) genannt. Weitere wichtige Fäulniserreger sind die Bakterien Pectobacterium (=Erwinia) carotovortum subsp. carotovorum und P. c. subsp. atrosepticum, die besonders nach regenreichen Sommern die Früchte faulen ließen.

Blattkrankheiten: Didymella bryoniae ist auch für umfangreiche Schäden an den Blättern verantwortlich. Auf den Blattspreiten kann der Pilz zur Bildung von Nekrosen führen. Bedeutender ist jedoch eine von Didymella verursachte Fäulnis des Blattstiels, die in manchen Jahren bereits Ende Juli zu einer Blattdürre und damit zum großflächigen Absterben der Blätter geführt hat. Bakterienkrankheiten sind wegen der meist großflächigen Vergilbung der Blätter und anschließender Nekrosenbildung eine sehr auffallende Erscheinung. Als Erreger konnten Pseudomonas viridiflava, P. syringae und Xanthomonas cucurbitae nachgewiesen werden. Das Zucchinigelbmosaikvirus (ZYMV) ist in den letzten drei Jahren in fast jedem Kürbisfeld zu beobachten, wo es kaum die Früchte schädigte, bei den Blättern aber zu starken Vergilbungen bis hin zu Nekrosen führte. Der Falsche Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) wurde beim Ölkürbis 2004 das erste Mal nachgewiesen. Er kann seither jedes Jahr beobachtet werden, spielt als Krankheitserreger bisher jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

Ährenfusariose der Wintergerste

Fusarium-Pilze gelten wegen ihrer Toxine vor allem beim Weizen als gefürchtete Krankheitserreger. Ein überraschender Ährenbefall in den Jahren 2010 und 2013 deutet darauf hin, dass auch der Wintergerste zunehmende Bedeutung als Fusarium-Wirt zukommt.

Wird eine Gerstenähre von Fusarien befallen, so führt dies zu Verbräunungen der mit den Körnern verwachsenen Deckspelzen. Das Ausmaß der Verbräunungen kann sehr unterschiedlich sein. Es kann einzelne oder mehrere Körner betreffen, die wiederum mehr an der Basis oder der Spitze verbräunen oder auch nur kleine undeutliche Flecken aufweisen Eine Verbräunung ganzer Körner geht in der Regel mit einer deutlichen Schädigung des Korns bis hin zur Kümmerkornbildung einher. Dieses Krankheitsbild wird als Ährenfusariose oder allgemein als Ährenverbräunung bezeichnet.
Nach vereinzelt im Jahr 2009 zu beobachtenden Ährenverbräunungen kam es in Österreich 2010 bei der Wintergerste zu einem stärkeren Auftreten dieser Krankheit, die sich im Vorjahr wiederholte. Auslöser war in beiden Fällen ungewöhnlich feuchtes Wetter, das von der Schossphase bis über die Wintergerstenblüte andauerte.
Die Verbräunungen wurden 2014 ca. zur Hälfte von insgesamt 14 Fusariumarten verursacht (Fusarium avenaceum, F. graminearum, F. verticilloides, F. tricinctum, F. proliferatum, F. cerealis, F. equiseti, F. langsethiae, F. sporotrichioides, F. lateritium, F. poae, F. scirpi, F. subglutinans, F. sambucinum). Weitere für die Verbräunungen verantwortliche Erreger waren das Bakterium Pseudomonas syringae pv. atrofaciens, der Grauschimmel Botrytis cinerea, der Erreger der Braunfleckenkrankheit Cochliobolus sativus und der Pilz Didymella exitialis nachgewiesen werden.

Neue Getreideviren (BDV und CYDV)

2012 wurden bei Wintergerste und Winterweizen PCR-Untersuchungen durchgeführt, die erstmals eine genaue Bestimmung des Wheat dwarf virus (WDV) und des für Österreich neuen Barley dwarf virus (BDV) erlaubten. Als neu erwies sich auch das zu den Poleroviren gehörende Getreidegelbverzwergungsvirus Cereal yellow dwarf polerovirus-RPV (CYDV-RPV).

Der Nachweis des Weizenverzwergungsvirus erfolgte bisher durch serologische Tests. Da eine Unterscheidung der Herkünfte von Weizen, Gerste und Hafer auf diese Weise nicht möglich war, nahm man lange Zeit an, dass dieses Virus sämtliche Getreidearten befällt. Neuere molekulargenetische Untersuchungen haben nun aber gezeigt, dass es sich dabei taxonomisch um drei verschiedene Viren, nämlich das Wheat dwarf virus (WDV), das Barley dwarf virus (BDV) und das Oat dwarf virus (ODV) handelt. 2012 durchgeführte PCR-Analysen erlaubten erstmals auch in Österreich eine Unterscheidung dieser Viren: Von 10 untersuchten Wintergerstenherkünften aus Oberösterreich waren neun vom BDV und eine vom WDV befallen. 7 untersuchte Winterweizenherkünfte aus Ober- und Niederösterreich waren ausschließlich vom WDV befallen. Virusüberträger ist die Zwergzikade Psammotettix alienus.

Das Gerstengelbverzwergungsvirus (Barley yellow dwarf virus, BYDV) wird durch Blattläuse übertragen. Weltweit werden fünf Serotypen unterschieden. In Österreich ist der vor allem von der Haferblattlaus (Rhopalosiphon padi) sowie der Großen und Bleichen Getreideblattlaus (Sitobion avenae und Metopolophium dirhodum) übertragene Serotyp BYDV-PAV der häufigste (83 % der bisher untersuchten Proben). Der nur von der Großen und Bleichen Getreideblattlaus übertragene Serotyp BYDV-MAV war bisher in 17 % der Proben nachweisbar, wobei BYDV-MAV in den meisten Fällen in einer Mischinfektion mit BYDV-PAV vorlag. Der vor allem von der Haferblattlaus übertragene Serotyp BYDV-RPV wurde 2012 erstmals für Österreich nachgewiesen. Da dieser Serotyp in seiner Genomorganisation und Replikationsstrategie von den beiden Virusarten BYDV-PAV und BYDV-MAV abweicht, wird er mittlerweile taxonomisch nicht mehr, wie das BYDV dem Genus Luteovirus, sondern innerhalb der Familie Luteoviridae den Poleroviren zugerechnet und als Getreidegelbverzwergungsvirus (Cereal yellow dwarf polerovirus-RPV, CYDV-RPV) bezeichnet.

Gerstengelbmosaikvirus

Seit ihrem europäischen Erstnachweis in Mitteldeutschland gegen Ende der 1970er Jahre haben sich diese Viren rasch ausgebreitet. Anfang der 1990er Jahre erreichten sie Bayern, wo sie mittlerweile im ganzen Land für Probleme im Wintergerstenanbau sorgen. In Österreich wurde das BaYMV 2010 (Huss et al. 2010) und das BaMMV ein Jahr später nachgewiesen (Huss 2011). 2012 erfolgten zwei weitere Nachweise dieser Viren (Huss & Rabenstein 2012). Alle bisherigen Funde stammen aus den intensiven Wintergerstenanbaugebieten Oberösterreichs, aus dem Innviertel und dem Bezirk Wels Land.

Die Gerstengelbmosaikviren kommen in der Natur nur bei Wintergerste vor. Übertragen werden sie durch den Bodenpilz Polymyxa graminis, der bei ausreichender Feuchtigkeit begeißelte Zoosporen bildet, welche die Gerstenwurzeln befallen und so die Viren übertragen. In der Wurzel nistet sich der Pilz ein und bildet Dauersporen, die auch die Viren beherbergen und über ein Jahrzehnt im Boden überdauern können. Über Dauersporen enthaltende Bodenpartikel erfolgt die Ausbreitung der Viren. Innerhalb der Felder passiert dies vor allem durch bodenbearbeitende Geräte. Die weiträumige Ausbreitung erfolgt vornehmlich durch Winderosion. Eine im zeitigen Frühjahr auftretende nesterweise Vergilbung der Wintergerste ist meist ein erstes Zeichen eines Gerstengelbmosaikvirusbefalls. Anders als die Befallsnester der durch Insekten übertragenen Verzwergungsviren, die jährlich an anderer Stelle und in unterschiedlicher Größe auftreten, erscheinen die Nester der Gelbmosaikviren immer an derselben Stelle und von Jahr zu Jahr oft beträchtlich vergrößert. Typisches Befallszeichen sind auf den Blättern blassgrüne und chlorotische Streifen und Strichel, welche vor allem während des Schossens in Erscheinung. Übertragen wird das Virus durch die begeißelten Schwärmer des Bodenpilzes Polymyxa graminis. Diese befallen die Gerstenwurzeln, von wo aus sich das Virus in der ganzen Pflanze ausbreiten kann. Charakteristische Symptome sind im Frühjahr eine nesterweise Vergilbung der Gerstenbestände und auf den Blättern blassgrüne und chlorotische Flecken, Streifen und Strichel. Die meisten Virusnachweise stammten von oberösterreichischen Feldern, auf denen in den letzten drei Jahren zwei Mal Wintergerste angebaut wurde. Auch in Bayern konnte ein Zusammenhang zwischen enger Fruchtfolge und verstärktem Virusauftreten hergestellt werden. Eine erfolgreiche Resistenzzüchtung sorgt dafür, dass in Österreich mittlerweile 65 % der zweizeiligen und 94 % der mehrzeiligen Wintergerstensorten gegen die Gerstengelbmosaikviren resistent sind. Zumindest in den intensiven Wintergerstenanbaugebieten Oberösterreichs sollte dieses Angebot genützt werden.

Neue Bakterienkrankheiten

Durch die Starkregenereignisse der letzten Jahre waren bei der Wintergerste und den Körnerleguminosen verstärkt Bakterienkrankheiten zu beobachten. Bei der Wintergerste wurde erstmals Xanthomonas translucens var.hordei nachgewiesen und bei der Erbse und Ackerbohne Pseudomonas cichorii.

Die ausgedehnten Mai-Niederschläge der Jahre 2010 und 2013 haben vor allem bei der Wintergerste zu einem verstärkten Bakterienbefall geführt. Eine Mischinfektion von Pseudomonas syringae pv. atrofaciens mit verschiedenen Fusarium-Arten führte zu dem Krankheitsbild der Ährenverbräunung der Wintergerste (HUSS 2013). Daran beteiligt war 2013 erstmals auch Xanthomonas translucens var.hordei (HUSS 2014). Befallene Pflanzen traten besonders deutlich während der Gelbreife in Erscheinung, da sie sich von den nun goldgelben und größtenteils geknickten gesunden Gersten durch einen aufrechten Habitus und unterhalb der Ähre durch schwarzbraune Halmpartien abhoben. Die Körner hatten ein deutlich reduziertes Tausendkorngewicht, was die aufrechte Haltung der Ähren erklärt. Sie waren meist an der Kornbasis braunschwarz bis braun verfärbt.
Bakterienerkrankungen der Erbse treten weltweit in Erscheinung und sind oftmals die Folge einer mechanischen Schädigung der Pflanzen. In den kühleren Lagen spielen Frostschäden eine wichtige Rolle als Eintrittspforte für die Bakterien, weshalb stärkere Ertragseinbußen vor allem von Wintererbsen bekannt sind. Nach lang anhaltendem Regen waren an der Versuchsstation Lambach/Stadl-Paura auch bei Sommererbsen und Ackerbohne Bakteriensymptome zu beobachten. Hauptsächlicher Verursacher war das bisher vor allem als Salapathogen bekannte Bakterium Pseudomonas cichorii (HUSS & MAVRIDIS 2012).

Kartoffelkrankheiten

Die Colletotrichum-Welke der Kartoffel war lange Zeit nur von den trockensten Anbaugebieten Ostösterreichs bekannt. Verstärkte Hitzeperioden haben dazu geführt, dass sich diese Krankheit auf trockeneren Standorten mittlerweile im gesamten Anbaugebiet zu einem ernstzunehmenden Problem entwickelt hat. Sie wird von dem Pilz Colletotrichum coccodes verursacht, der bei normalen Witterungsverhältnissen ein harmloser Schwächeparasit ist. Ist die Kartoffelpflanze jedoch starkem Stress, insbesondere Trockenstress, ausgesetzt, so mutiert der Pilz zu einem aggressiven Parasiten, welcher Wurzel, Ausläufer und den Stängel befällt und bei empfindlichen Sorten bereits bei Blühbeginn zum Absterben der Pflanzen führen kann (HUSS ET AL. 2008, 2011, 2012) . Im Inneren der Stängel und Blattstiele kommt es zu einer Fäulnis, die zu einer Unterbrechung der Wasserversorgung und damit zu Welke-Symptomen führt. Diese verdorren und hängen schlaff an den zunächst noch großteils grünen Stängeln herab. Bald sterben jedoch auch die Stängel ab, wobei die Befallsstellen wässrig braun erscheinen.

Sclerotinia-Stängelfäule

Der Becher-Pilz Sclerotinia sclerotiorum ist vor allem als Verursacher einer Weißstängeligkeit bei Raps, Sonnenblume und Sojabohne bekannt. Begünstigt durch die Feuchtperioden der letzten Jahre ist er auch bei der Kartoffel als Verursacher einer Stängelfäule zunehmend in Erscheinung getreten. An den unteren Stängelteilen und den Blattachseln führt er zu braunen, eingesunkenen Flecken, die von einem hellweißen, flockigen Myzel überwachsen werden. Dieses bildet sowohl im Stängelinneren als auch außen bis zu erbsengroße dunkle Dauerkörper (Sklerotien) mit denen der Pilz auch überwintert. Im Frühjahr und Frühsommer keimen daraus becherförmige Fruchtkörper. Die darauf gebildeten Sporen werden mit dem Wind verblasen und führen zu einer erneuten Infektion. Die Dauerkörper bleiben im Boden gut drei Jahre lebensfähig. Bei Sclerotinia-Problemen sollte deshalb darauf geachtet werden, dass zwischen Sclerotinia-empfindlichen Kulturarten ein Fruchtfolgeabstand von vier Jahren eingehalten wird (HUSS ET AL. 2011).

Schwarzbeinigkeit

Die Schwarzbeinigkeit ist eine von Bakterien im Inneren der Stängelbasis verursachte Fäulniskrankheit. Sie führt zu einer Schwarzverfärbung des Pflanzengewebes, der Stängel wird weich und stinkend. Durch Unterbrechung der Wasserzufuhr welken die Pflanzen und sterben schließlich ab. In den letzten Jahren sind in Mitteleuropa neue Erreger der Schwarzbeinigkeit aufgetaucht, die sich bei hohen Temperaturen besonders rasch entwickeln und ein hohes Schadpotential aufweisen (SÖLLINGER UND HUSS 2013). Wichtigste Infektionsquelle ist das Pflanzgut. Bei einem geplanten Nachbau sollte vorher unbedingt eine Bestandeskontrolle durchgeführt und allenfalls kranke Stauden entfernt werden. Flächen, die zur Staunässe neigen, sollten gemieden werden.

Mögliche Strahlungsschäden

In den vergangenen Jahren waren auf den Kartoffelblättern von einem Vergilbungshof umgebene, unterschiedlich große nekrotischen Flecken zu beobachten, die an einen Botrytis-Befall erinnerten, bei denen aber weder dieser Pilz, noch andere bekannte Krankheitserreger nachweisbar waren. Als mögliche Ursache wird hohe Sonneneinstrahlung in Verbindung mit Trockenheit, eventuell auch in Verbindung mit hohen Ozonwerten diskutiert. Bei Blattproben von der Versuchsstation Lambach/Stadl-Paura wurden in den Nekroseflecken verschiedene Schwächeparasiten gefunden, sodass auch ein Zusammenspiel von Strahlungsschäden und diesen Pilzen denkbar ist.

Krankheiten der Körnerleguminosen

Die Körnerleguminosen sind einem starken Krankheitsdruck ausgesetzt, der immer wieder zu erheblichen Ertragseinbrüchen führt. Maßgebliche Pathogene sind die „Ascochyta-Fuß- und Brennfleckenkrankheiten" sowie verschiedene Virosen.

Die „Ascochyta-Fuß- und Brennfleckenkrankheiten" werden in der einschlägigen Literatur als ein Krankheitskomplex dargestellt, der von drei verschiedenen parasitischen Pilzen verursacht wird, nämlich Mycosphaerella (= Ascochyta) pinodes, Ascochyta pisi und Phoma medicaginis var. pinodella. Aktuelle Untersuchungen unterstreichen jedoch deren eigenständigen Charakter dieser Pilze, sodass es angebracht erscheint, diese separat zu behandeln. Der Pilz Phoma medicaginis var. Pinodella besiedelt in erster Linie die Wurzel- und Stängelbasis, wo er zu einer Fäulnis führen kann, während die stark samenbürtige Ascochyta pisi ausschließlich Brennflecken auf den Hülsen, Blättern und Stängeln verursacht. Mycosphaerella pinodes hingegen ist der „vielseitigste" dieser Pilze: Als einziger bildet er neben der Nebenfruchtform (= Ascochyta-Stadium) auch Hauptfruchtkörper aus. Er ist wie Phoma medicaginis var. pinodella samen- und bodenbürtig, kann die Wurzel und den Stängelgrund, vor allem aber auch alle oberirdischen Pflanzenteile befallen (HUSS 2010).
Ungewöhnlich feuchtes Wetter kann zu ungewöhnlichem Krankheitsbefall führen. Dies war 2009 der Fall, als der meist als harmloser Schwächeparasit fungierende Grauschimmel Botrytis cinerea bei der Erbse zu starken Krankheitssymptomen führte (HUSS 2010).
Wird die Erbse oder Ackerbohne spät (ab April) angebaut, so kann dies das Risiko eines Virusbefalls erheblich erhöhen. 2008 hatten 6 von 22 oberösterreichischen BIO-Betrieben ein Totalausfall zu beklagen, während die wenigen Bauern, die zwischen 7.und 10. März anbauen konnten, durchschnittlich 1800 kg ernteten. Ursache für den Ertragsausfall war ein Befall mit dem Scharfen Adernmosaikvirus (Pea enation mosaic virus, PEMV). Die befallenen Ackerbohnen zeigten deutliche Vergilbungserscheinungen, wobei die Blätter zwischen den Blattadern aufgehellt bis großflächig vergilbt waren. Oftmals waren Blätter aber auch deutlich gelb gefleckt. Virus-infizierte jüngere Fiederblättchen waren in auffallender Weise nach oben gerichtet und leicht eingerollt. Die befallenen Pflanzen blieben bei geringem bis fehlendem Hülsenansatz oftmals gestaucht und kleinwüchsig (HUSS 2009). Neben dem PEMV waren in den letzten Jahren waren bei Erbse und Ackerbohne auch verstärkt Nanoviren nachweisbar (GRIGORAS ET AL. 1014).

Gräserkrankheiten

Gräser werden von den unterschiedlichsten Krankheitserregern befallen, die nicht nur den Ertrag, sondern auch die Qualität des Futters negativ beeinflussen können. Kranke Gräser werden generell weniger gefressen. Ungewöhnlicher Krankheitsbefall war 2014 durch den Gelbrost des Knaulgrases zu beobachten. „Schneeschimmel" führten in den vergangenen schneereicheren Jahren zu nichtunbeträchtlichen Auswinterungsschäden und beim Knaulgras konnten zwei neue Viren nachgewiesen werden.

Gelbrost

2014 kam es kam es nicht nur beim Weizen, sondern auch beim Knaulgras zu einemungewöhnlich starken Gelbrostbefall (HUSS & HENDLER 2015). Negative Auswirkungen auf das Getreide sind vom Gelbrost des Knaulgrases jedoch nicht zu erwarten, da dieser nur dasKnaulgras befällt. Der für eine Übertragung auf Weizen in Frage kommende Gelbrost der Quecke und Trespe ist bei uns sehr selten. Am häufigsten wird bei uns die Wiesenrispe befallen. Bei starkem Gelbrostbefall wird der Gehalt an löslichen Zuckern in den Blättern gesenkt, während der Rohproteingehalt unverändert bleibt.

Auswinterungspilze

Fällt Schnee auf nicht gefrorenen Boden und hält die Schneebedeckung länger als zwei Monate an, so ist mit einer Auswinterung durch Pilze zu rechnen. Die wichtigsten Auswinterungspilze sind Typhula ishikariensis und T. incar­nata sowie der Rosa Schneeschimmel Monographella (Microdochium) nivale. Diese Pilze sind an die Bedingungen unter dem Schnee in besonderer Weise angepasst, da sie sowohl die Kälte als auch die hohe CO2-Konzentration gut ertragen können, welche durch die Kohlehydratveratmung der Gräser ent­steht. Die Gräser hingegen beginnen mit zunehmender Dauer der Schneebedeckung unter dem Überschuss an CO2 und Sauerstoffmangel zu leiden. Dadurch steigt ihre Anfälligkeit für eine Pilzinfektion. Gleichzeitig nimmt die Kälteresistenz ab, sodass die Gräser durch die Pilze, die Nässe und Kälte absterben (Huss 2014).

Neue Gräserviren

An der Versuchsstation Lambach/Stadl-Paura wurden beim Knaulgras zwei für Österreich neue Gräserviren nachgewiesen. Das Cocksfoot streak mosaic virus (CfSMV) führt zu vermindertem Wachstum und weißen und gelben Stricheln auf den Blättern, während das Ryegrass mottle virus (RgMoV) neben starker Vergilbung auch ein Absterben der Gräser zur Folge haben kann (Rabenstein und Huss 2013).

Krankheiten der Futterleguminosen

Mit dem südlichen Stängelbrenner (Colletotrichum trifolii) hat ein Krankheitserreger mit hohem Schadpotential Einzug ins Grünland gehalten. Beim Rotklee wurde ein neues Krankheitsbild beschrieben und beim Hopfenklee ein neues Leguminosenvirus (BMLRV) entdeckt.

Der Südliche Stängelbrenner (Colletotrichum trifolii) ist ein vor allem in südlichen Ländern verbreiteter parasitischer Pilz des Rotklees und der Luzerne, der 2009 erstmals auch in Österreich nachgewiesen wurde. Er verursacht auf den Stängeln Läsionen, die bei starkem Befall zu einer Blattdürre und zum Absterben ganzer Pflanzen führen können (HUSS ET AL. 2009).
Nach den lang anhaltenden Mai-Niederschlägen 2013 tauchten bei Rotklee ungewöhnliche Blattrandnekrosen auf, die keinem der bisher bekannten Krankheitsbilder des Klees zuordenbar waren. Untersuchungen ergaben, dass diese durch eine Mischinfektion des Bakteriums Pseudomonas viridiflava mit dem Pilz Ascophyta pisi verursacht wurden (HUSS & TRAXLER 2014). In der Umgebung der Versuchsstation Lambach/Stadl-Paura (Oberösterreich) wurde ein Hopfenklee mit ungewöhnlichen Virussymptomen – etwas gestauchtem Habitus und nach oben eingerollten Blättchen – entdeckt. Molekulargenetische Untersuchungen ergaben, dass es sich dabei um ein neues Leguminosenvirus handelt, dem wegen der von ihm verursachten Blattrollung der Name Black medic leaf roll virus (BMLRV) gegeben wurde (HUSS 2015, GRIGORAS ET AL. 2014).

Klimawandel und Pflanzenkrankheiten

Die Witterungsverhältnisse des vergangenen Jahrzehnts waren gekennzeichnet durch starke Witterungsschwankungen mit teils intensiven und lang anhaltenden Niederschlagsereignissen, hohen Herbsttemperaturen und längeren Hitzeperioden.
Damit können auch Veränderungen im Auftreten von Pflanzenkrankheiten in Zusammenhang gebracht werden, die uns eine Vorstellung von dem vermitteln, was wir durch den Klimawandel in Zukunft verstärkt zu erwarten haben.

Zunehmender Trockenstress

Pilzkrankheiten werden vor allem durch feuchtes Wetter begünstigt. Eine Ausnahme macht Colletorichum coccodes, der Erreger der Welke-Krankheit der Kartoffel, welcher in den letzten Jahren vor allem bei trocken-heißem Wetter für zunehmende Schäden sorgte. Bei ausgeglichenen Wachstumsbedingungen vermag dieser Pilz die Pflanze kaum zu schädigen und fungiert eher als Schwächeparasit. Bei Trockenstress kann er jedoch zu einer abrupt auftretenden Blatt-Dürre und erheblichen Schäden führen. In der Vergangenheit war dieser Pilz nur von trocken-heißen Anbaulagen Ostösterreichs bekannt. Mittlerweile führt er im gesamten österreichischen Kartoffelanbaugebiet zu Schäden (HUSS ET AL. 2008, 2011).

Einwanderung südlicher Krankheitserreger

Das sich ändernde Klima schafft für südlich verbreitete Krankheitserreger günstige Einwanderungsvoraussetzungen. Ein Beispiel ist der Südliche Stängelbrenner Colletotrichum trifolii. Dieser Pilz war bisher vor allem in Frankreich und Italien für Schäden bei Rotklee und Luzerne verantwortlich. In der Schweiz tauchte er in den 1990er- Jahren auf, und in Österreich wurden stärkere Schäden erstmals im Jahr 2009 beobachtet (HUSS ET AL. 2009). Er verursacht auf den Stängeln länglich-ovale Läsionen, welche die ganze Pflanze zum Absterben bringen können.

Zunehmende Herbst-Erwärmung

Von der zunehmenden Herbst-Erwärmung ist besonders das Wintergetreide betroffen. Da mit steigenden Temperaturen die Mobilität von Virus übertragenden Insekten steigt, erhöht sich auch das Risiko eines vermehrten Eintrags von Viren in die aufgelaufene Wintersaat. Die Ausbreitung des Gerstengelbverzwergungsvirus (HUSS & PLANK 2008, HUSS 2009 ) und die zunehmende Bedeutung der Weizenverzwergungsviren (HUSS ET AL. 2003) können als Indiz dafür gewertet werden.

Extreme Feuchtigkeit

Die letzten Jahre waren nicht nur durch Hitzeperioden, sondern auch durch intensive, oft lang anhaltende Niederschlagsereignisse gekennzeichnet, welche Auslöser für neue Krankheitsbilder waren. Zu erwähnen ist dabei die Ährenverbräunung der Winter-Gerste, die wegen des Mykotoxinrisikos besondere Aufmerksamkeit verdient (HUSS & KÖPPL 2011). Begünstigt wurden außerdem ungewöhnliche Bakterienkrankheiten (HUSS & MAVRIDIS 2012) und der Becherpilz Sclerotinia sclerotiorum (HUSS ET AL. 2011).

Pilzkrankheiten: Historischer Rückblick

Die Entstehungsgeschichte unserer Kulturpflanzen wird von Anbeginn von einem Anpassungsprozess unterschiedlicher Krankheitserreger an ihre Wirte begleitet. Dabei haben sich die Pilze als besonders erfolgreich erwiesen, denn von den 162 wichtigen lnfektionskrankheiten der in Mitteleuropa heute kultivierten Kulturpflanzen werden 135 durch Pilze verursacht, während nur 27 auf das Konto von Viren und Bakterien gehen.

Parasitische Pilze sind die wichtigsten Krankheitserreger unserer Kulturpflanzen. Schlüssel für den Erfolg dieser Pilze sind ihre große genetische Anpassungsfähigkeit an die durch Züchtung ständig weiterentwickelten Kulturpflanzen und ihre ökologische Anpassungsfähigkeit an die ebenso im Wandel begriffene pflanzenbauliche Praxis. Trotz eines hoch entwickelten Pflanzenschutzes können parasitische Pilze jedoch nach wie vor massive Ertragseinbußen verursachen.
Die Geschichte der Krankheitsrreger unserer Kulturpflanzen reicht 10 000 Jahre zurück. Da die Wiege des Ackerbaus, der durch Winterregen begünstigte Norden der Arabischen Halbinsel, nicht nur Heimat der Wildformen von Weizen und Gerste, sondern auch das Ursprungsgebiet der Weizen- und Gerstenroste ist, kann davon ausgegangen warden, dass die ersten Kulturpflanzen bereits von Rosten parasitiert wurden.....(siehe Huss 2012).

Pflanzenschutz - Aktuelles

Asiatischer Marienkäfer

Der Asiatische Marienkäfer ist ein Neuling in unserer Fauna, der 2009 erstmals auch in den heimischen Äckern verstärkt aufgetreten ist. Da er den Blattläusen nachstellt, ist er als Nützling in unseren Äckern durchaus willkommen. Problematisch ist allerdings, dass er die heimischen Marienkäfer verdrängt und auch anderen Blattlausvertilgern, wie Florfliegen- oder Schwebfliegenlarven nachstellt.

Distelfalterraupen schädigen Sojabohnen

Distelfalter sind Wanderfalter, die alljährlich aus dem Süden in Österreich einwandern und hier in der Regel auf Disteln ihre Eier ablegen. Zu Fraßschäden war es dabei bisher nur auf Mariendisteln gekommen, während das Abfressen der Ackerdistelblätter durchaus gern gesehen war. Mitte Mai 2009 führten Abermillionen von einwandernden Distelfaltern erstmals auch bei der Sojabohne zu stärkeren Fraßschäden in Kärnten, dem südlichen Burgenland, Oberösterreich und dem Bezirk Amstetten in Niederösterreich.

Die Sprenkelkrankheit weiter auf dem Vormarsch

Die Sprenkelkrankheit (Ramularia collo - cygni) ist eine Blattfleckenkrankheit, die auf der Gerste meist erst nach dem Ährenschieben in Erscheinung tritt, dann aber zu einem ungewöhnlich raschen Absterben der Blätter und zu entsprechend großen Ertragseinbußen führen kann. Sie wurde 1986 erstmals in Österreich nachgewiesen und befindet sich seither nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa in Ausbreitung. 2008 war die Gerste erstmals auch im trockenen Osten Österreichs befallen. In diesem Jahr gelang auch der erste Nachweis der Sprenkelkrankheit auf Mais, dem höchst wahrscheinlich eine zentrale Rolle bei der Infektion der Wintergerste mit Ramularia - Sporen im Herbst zukommt.

Artikel zu Pflanzenkrankheiten