Saatgutqualität entscheidet – Forschungsprojekt an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein
(c) HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Saatgutmischungen für die intensive Grünlandbewirtschaftung unter Berücksichtigung der sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen (Seedmix)

(c) HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Saatgutmischungen für die intensive Grünlandbewirtschaftung unter Berücksichtigung der sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen (Seedmix)

Saatgutqualität entscheidet – Wege zu klimaresilientem Intensivgrünland

Leistungsfähige Grünlandbestände bilden in Österreich die Grundlage für eine nachhaltige tierische Produktion und zahlreiche Ökosystemleistungen. Doch mit zunehmenden Klimaschwankungen stellt sich die Frage: Wie bleiben intensive Grünlandsysteme auch künftig stabil, ertragreich und qualitativ hochwertig? Das Projekt Seedmix ging dieser Frage in einem umfassenden, mehrjährigen Feldversuch nach.

Sieben Standorte, drei Hebel

An sieben klimatisch unterschiedlichen Standorten in Österreich – darunter Gumpenstein, Piber, Hagenberg und Imst – wurden von 2020 bis 2025 verschiedene Saatgutmischungen unter praxisnahen Intensivbedingungen geprüft. Verglichen wurden:

  • Saatgutqualitäten (ÖAG-Qualität, Saatgut Austria, Referenz-Handelsmischungen),
  • Nutzungsintensitäten (vier- vs. fünfschnittige Nutzung) sowie
  • Managementmaßnahmen wie Nachsaat mit Rotklee und die Substitution von Wiesenschwingel mit trockenheitstoleranteren Arten wie Festulolium und Rohrschwingel.

Die Versuche berücksichtigten sowohl Erträge, Futterqualität und botanische Zusammensetzung als auch Deckungsgrade und Verunkrautung.

Zentrale Ergebnisse und Empfehlungen

Saatgutqualität zahlt sich aus

Ein klarer Vorteil zeigte sich langfristig für ÖAG-Qualitätssaatgut: Im Vergleich zu Referenzmischungen wiesen diese Bestände höhere Trockenmasseerträge, bessere Rohproteinerträge (im Mittel +10 %) sowie eine deutlich bessere projektive Deckung und geringere Verunkrautung auf. Dieser Vorteil war besonders ab dem dritten Versuchsjahr deutlich.

Empfehlung: Bei intensiver Nutzung sollte unbedingt auf geprüfte, hochwertige Saatgutmischungen gesetzt werden – sie sichern Ertrag und Bestand nachhaltig.

Nachsaat – nur gezielt sinnvoll

Die Nachsaat mit Rotklee brachte bei geringerer Schnittintensität (vier Schnitte) leichte Ertragsvorteile und mehr Leguminosen im Bestand. Bei intensiver Nutzung (fünf Schnitte) wirkten sich mechanische Belastung und Konkurrenzdruck hingegen negativ aus.

Empfehlung: Nachsaatmaßnahmen lohnen sich nur, wenn Lücken im Bestand bestehen. In jungen, dichten Beständen ist der Nutzen begrenzt.

Substitution – differenziert betrachten

Die Ersetzung von Wiesenschwingel durch Rohrschwingel oder Festulolium zeigte nur moderate, teils standortspezifische Effekte. Im 5-Schnittsystem konnten punktuell höhere Trockenmasseerträge erzielt werden, jedoch oft auf Kosten von Futterqualität und Energiegehalt.

Empfehlung: Eine pauschale Substitution ist nicht empfehlenswert. Standort- und Mischungswahl müssen individuell abgestimmt werden.

Projektpartner: AGES, Amt der Tiroler Landesregierung

ProjektleiterIn

Krautzer Bernhard. Dr.

Dr. Bernhard Krautzer

Institutsleitung Pflanzenbau und Kulturlandschaft