Insektenvielfalt gezielt fördern
Blühstreifen sind aus der österreichischen Agrarlandschaft nicht mehr wegzudenken. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für Bestäuber und andere Nützlinge, erhöhen die Artenvielfalt und sichern wichtige Ökosystemleistungen wie Bestäubung und natürliche Schädlingsregulierung. Gleichzeitig ist noch zu wenig bekannt, welche Saatmischungen welche Insektengruppen tatsächlich fördern und wie sich ihre Wirkung im Jahresverlauf verändert. Genau hier setzt FlowerPower 2.0 an: Das Projekt macht die Wirkung von Blühstreifen wissenschaftlich messbar – und zugleich für die landwirtschaftliche Praxis nutzbar.
Der Rückgang der Insektenvielfalt bedroht langfristig die Funktionsfähigkeit von Agrarökosystemen. Bisher fehlt jedoch ein standardisiertes Messinstrument, das die positiven Effekte von Blühstreifen auf die Insekten-Biodiversität zuverlässig belegt und auch von Landwirt:innen selbst eingesetzt werden kann. Ziel ist daher die Entwicklung und Testung eines innovativen eDNA (environmental DNA, „Umwelt-DNA“)-Biomonitoring-Tools, das präzise und praxistauglich ist.
FlowerPower 2.0 wird von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein unter der Projektleitung der Universität Innsbruck (Dr. Michael Traugott) umgesetzt. Kooperationspartner sind die Raumberg-Gumpenstein Research und Development, BioAustria sowie Boden.Leben – Verein für klimaangepasste und aufbauende Landwirtschaft. Die Projektlaufzeit reicht von Oktober 2025 bis Dezember 2028.
Acht Best-Practice-Flächen als lebendes Forschungslabor
Im Mittelpunkt stehen etablierte, mehrjährige Best-Practice-Blühstreifen. An acht ausgewählten Standorten werden über die Vegetationsperiode botanische Erhebungen durchgeführt – inklusive Pflanzenzusammensetzung, Deckung und phänologischer Entwicklung. Ergänzend wird untersucht, ob bestehende Blühstreifen durch zwei bis drei gezielt eingebrachte Pflanzenarten weiter verbessert werden können.
Die Universität Innsbruck erhebt die Insektenbiodiversität mit klassischen Feldmethoden wie visueller Bestimmung, Fangschalen und Kescherfang. Zusätzlich kommen molekulare Verfahren zum Einsatz: Über Umwelt-DNA, die beim Blütenbesuch zurückbleibt, werden Insekten-Blüten-Interaktionen sichtbar gemacht. Dazu werden Blüten gewaschen und Wildbienen kurzfristig per Tupfer beprobt. So lässt sich genauer nachvollziehen, welche Pflanzenarten für Bestäuber, Parasitoide, Nützlinge oder auch Schädlinge besonders relevant sind.
Ein zweiter Schwerpunkt ist Citizen Science. 50 Pilotbetriebe aus sechs Bundesländern beteiligen sich direkt am Biodiversitätsmonitoring. Voraussetzung ist ein gut etablierter, eingesäter Blühstreifen mit mindestens 700 m². Die Betriebe erhalten Online-Schulungen, eine digitale Plattform mit Helpdesk sowie Proben-Kits. Sie führen selbst Blütenwaschungen durch und ergänzen ihre Beobachtungen per App. Im Gegenzug erhalten sie eine betriebsbezogene Auswertung zur Insekten-Biodiversität am eigenen Feld.
Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein bringt ihre Stärke in der praxisnahen Pflanzenbestandsaufnahme ein. Für die Bonituren sind rund 20 m² große Aufnahmeflächen in vierfacher Wiederholung vorgesehen; die Erhebungen erfolgten im Frühjahr 2026.
Am Ende sollen konkrete, förderfähige Empfehlungen entstehen:
- Welche Blühstreifenmischungen fördern funktionelle Insektengruppen besonders gut?
- Wie lassen sich bestehende Flächen ökologisch aufwerten, ohne die Praxistauglichkeit aus den Augen zu verlieren?
- Und wie kann Biodiversitätsleistung künftig nachvollziehbar bewertet werden?
FlowerPower 2.0 verbindet Forschung, landwirtschaftliches Erfahrungswissen und moderne DNA-Analytik – mit dem Ziel, Blühstreifen vom gut gemeinten Landschaftselement zum nachweislich wirksamen Baustein resilienter Agrarökosysteme weiterzuentwickeln.
Projektdaten
Projekttitel: Flower Power 2.0: Evaluierung und Optimierung von Blühstreifen zur Förderung der Biodiversität in der Agrarlandschaft
Akronym: Flower Power
Projektleitung: Dr. Michael Traugott, Universität Innsbruck







