(c) HBLFA Raumberg-Gumpenstein

EmiSlAdd2030: Güllezusätze im Fokus: Wissenschaftliche Bewertung von Wirkung, Emissionen und Praxistauglichkeit

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EmiSlAdd2030: Güllezusätze im Fokus: Wissenschaftliche Bewertung von Wirkung, Emissionen und Praxistauglichkeit

Güllezusätze werden in der landwirtschaftlichen Praxis seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Zielsetzungen eingesetzt. Sie sollen unter anderem Gerüche vermindern, die Fließfähigkeit der Gülle verbessern, Fliegen im Stall reduzieren, Liegeflächen trocken und sauber halten, Nährstoffverluste verringern oder Emissionen während Lagerung und Ausbringung senken.

Die tatsächliche Wirkung vieler Produkte ist unter praxisnahen Bedingungen jedoch bislang nur unzureichend wissenschaftlich abgesichert. Genau hier setzt ein Forschungsprojekt der HBLFA Raumberg-Gumpenstein an.

Ziel des Projektes ist es, Güllezusätze unabhängig, standardisiert und reproduzierbar zu untersuchen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und in welchem Ausmaß diese Produkte zur Minderung von Ammoniakemissionen, Treibhausgasen und Geruch beitragen können. Neben Ammoniak werden auch Methan, Lachgas und Kohlendioxid sowie mögliche unerwünschte Nebenwirkungen, etwa die Bildung von Schwefelwasserstoff oder Veränderungen wichtiger Gülleeigenschaften, erfasst. Damit verfolgt das Projekt einen ganzheitlichen Bewertungsansatz, der über die Betrachtung einzelner Emissionsparameter hinausgeht.

Dafür wurde an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein eine praxisnahe Versuchsanlage entwickelt, mit der unterschiedliche Güllezusätze unter kontrollierten Bedingungen geprüft werden können. Die Anlage bildet Lagerbedingungen in landwirtschaftlichen Güllegruben möglichst realitätsnah ab und ermöglicht den direkten Vergleich verschiedener Behandlungsvarianten mit unbehandelter Gülle als Kontrollvariante. In dieser Größenordnung des Güllefassungsvermögens handelt es sich um eine einzigartige wissenschaftlich betriebene Anlage in Europa.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen und standardisierten Erfassung gasförmiger Emissionen. Während der Versuchsdauer werden relevante Gase gemessen und mit Begleitparametern wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftführung, pH-Wert und Güllezusammensetzung in Beziehung gesetzt. Ergänzend werden Ausgangs- und Endgülle chemisch untersucht, um Veränderungen bei Nährstoffgehalten, pH-Wert, Fließfähigkeit und weiteren güllespezifischen Eigenschaften zu dokumentieren. Dadurch können nicht nur Einzelwerte, sondern auch zeitliche Emissionsverläufe und mögliche Wirkmechanismen analysiert werden.
Die unabhängige Bewertung von Güllezusätzen ist besonders wichtig, da viele Produkte mit weitreichenden Wirkversprechen angeboten werden. Für landwirtschaftliche Betriebe ist es jedoch schwierig, die tatsächliche Wirksamkeit objektiv einzuschätzen. Das Projekt soll daher zeigen, welche Additive unter vergleichbaren Bedingungen nachweisbare Effekte entfalten, welche Wirkungen nicht belastbar bestätigt werden können und wo mögliche Zielkonflikte auftreten.

Von zentraler Bedeutung ist dabei die gesamtheitliche Bewertung. Ein Produkt, das beispielsweise Ammoniak reduziert, gleichzeitig aber Methan- oder Lachgasemissionen erhöht, wäre kritisch zu beurteilen. Ebenso werden mögliche Auswirkungen auf Geruch, Arbeitssicherheit und pflanzenbauliche Eigenschaften berücksichtigt. Damit verbindet das Projekt Aspekte der Luftreinhaltung, des Klimaschutzes und der landwirtschaftlichen Praxistauglichkeit.

Die Ergebnisse sollen eine belastbare Grundlage für Landwirtschaft, Beratung, Verwaltung und Politik schaffen. Betriebe erhalten bessere Entscheidungsgrundlagen für den Einsatz von Gülleadditiven, die Beratung gewinnt objektive Informationen zur Wirksamkeit einzelner Produktgruppen, und Verwaltung sowie Politik können die Ergebnisse für die Bewertung von Maßnahmen im Bereich Emissionsminderung und Wirtschaftsdüngermanagement nutzen.

Darüber hinaus leistet das Projekt einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag. Die Entwicklung eines reproduzierbaren Prüfverfahrens ermöglicht es, Güllezusätze künftig vergleichbarer und transparenter zu bewerten. Die erhobenen Daten liefern wertvolle Informationen über Emissionsprozesse während der Lagerung flüssiger Wirtschaftsdünger und über die Wirkung unterschiedlicher Behandlungsansätze.

Gerade vor dem Hintergrund nationaler und europäischer Anforderungen zur Reduktion von Ammoniak- und Treibhausgasemissionen kommt praxisnahen, wirksamen und überprüfbaren Maßnahmen große Bedeutung zu. Güllezusätze können nur dann als sinnvolle Maßnahme empfohlen werden, wenn ihre Wirkung objektiv nachgewiesen und mögliche Nebenwirkungen klar beschrieben werden können.

Mit dem Projekt stärkt die HBLFA Raumberg-Gumpenstein ihre Rolle als praxisnahe Forschungseinrichtung an der Schnittstelle von Wissenschaft, Landwirtschaft und Umwelt. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, Güllezusätze differenziert und wissenschaftlich fundiert einzuordnen, Potenziale und Grenzen sichtbar zu machen und das Wirtschaftsdüngermanagement in der österreichischen Landwirtschaft zielgerichtet weiterzuentwickeln.

ProjektleiterIn

Pöllinger-Zierler Alfred, DI, Abteilungsleiter

DI Alfred Pöllinger-Zierler

Abteilungsleitung Innenwirtschaft u. Digitalisierung, Institutsleiter-Stv.

Team

Watzl Mario, Dipl.-Wirt.-Ing.(FH)

Ing. Dipl.-Wirt.-Ing.(FH) Mario Watzl

Wissenschaftl. Mitarbeiter, Abt. Innenwirtschaft
Lackner Lukas

Lukas Lackner

RIVIT, Institut für Tier, Technik und Umwelt
Brettschuh Sigrid

Sigrid Brettschuh

Sekretariat Innenwirtschaft u. Digitalisierung
Vockenhuber Daniela

Daniela Vockenhuber

Institutssekretariat, Institut Tier, Technik u. Umwelt
Heidinger Birgit, Dr.in

Dr.in Birgit Heidinger

Institutsleitung Tier, Technik und Umwelt
Finotti Elisabeth, Mag.a

Mag.a Elisabeth Finotti

Referentin, Ökonomie u. Ressourcenmanagement
Kropsch Michael, BMA

BMA Michael Kropsch

Referatsleiter Emissionen aus der Tierhaltung
Mösenbacher-Molterer, Irene, Ing.in MEd

Ing.in Irene Mösenbacher-Molterer, MEd

Referatsleiterin Prüftätigkeit u. Versuchsanalyse
Fritz Christian, MA, Abteilungsleitung

Mag. Christian Fritz, MA

Abteilungsleitung Ökonomie u. Ressourcenmanagement
Brandmüller Jeannine-Kathrin

Jeannine-Kathrin Brandmüller

Sekretariat Ökonomie u. Ressourcenmanagement
Subagia Raditya, DI

DI Raditya Subagia

Abteilungsleiter-Stellvertreter, Tierhaltungssysteme, Technik u. Emissionen
Danglmaier Christoph

Christoph Danglmaier

Projektmitarbeiter Innenwirtschaft u. Digitalisierung
Bachler Christian

Christian Bachler

Projektmitarbeiter, Innenwirtschaft u. Digitalisierung
Gutwenger Roland, Bakk. techn.

Roland Gutwenger, Bakk.techn.

Wissenschaftl. Projektmitarbeiter Research & Development

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