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Forschungsarbeit erlebbar machen

Herndl Markus, Dr.

Dr. Markus Herndl

Bodenkunde und Lysimetrie

Nach einjähriger Vorarbeit, wurde am Mittwoch, dem 22. Juni, der Schau- und Exkursionsbereich zu den Themen „Boden-Wasser-Pflanzen“ von Dr. Andreas Steinwidder - als Vertretung von Dir. Johann Gasteiner -  und Dr. Bernhard Krautzer, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Kulturlandschaft, feierlich eröffnet.  An insgesamt acht Stationen können sich nun interessierte Schüler, Landwirte und Konsumenten selbst ein Bild über das komplexe Zusammenspiel von Klima, Boden, Pflanzen und Bewirtschaftung machen.

Anschaulich wird im neu eröffnetem Kulturschaugarten aufgezeigt, wie vielgestaltig Grünland sein kann. Der Pflanzenbestand besteht meist aus einer Mischung von 15 bis 40 unterschiedlichen Gräsern, Kleearten und Kräutern - in Ausnahmefällen sogar aus mehr als hundert verschiedenen Arten. „Das ist immer das Ergebnis eines Zusammenspiels vielfältiger Faktoren“, erklärt Bernhard Krautzer in seiner Begrüßungsrede: „Ein wichtiger Faktor ist das Klima - also Temperatur, Niederschlag und Dauer der Vegetationszeit. Der nächste wesentliche Faktor ist der Boden. Im Zusammenspiel der Bodenphysik, der chemischen Parameter und des Wasserhaushaltes ist er die Grundlage des Lebens und auch der wichtigste Produktionsfaktor in der Landwirtschaft. Die Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen wirkt sich ganz wesentlich auf das Wurzelwachstum und damit auch auf die Entwicklung der oberirdischen Pflanzenteile aus.“

Den interessierten Besuchern wird im Zuge dieses neuen Schau- und Exkursionsbereiches die Möglichkeit geboten, tief in unterschiedliche Böden hineinzublicken und den Wurzeln beim Wachsen zuzuschauen.

Anschaulich präsentiert werden zudem die unterschiedlichen Grünlandbestände. Von kräuter- bis gräserreich, manchmal kurz geschnitten, dann wieder im Zustand der Abreife – bei einem Besuch des Kulturschaugartens kann sich jeder selbst ein Bild über die Vielfältigkeit des Grünlands machen.

Grünland wird nicht von alleine grün

Zumindest, wenn man auf solchen Flächen die Futterertäge und –qualitäten optimieren will. Dazu braucht man Sorten aus der Futterpflanzenzüchtung, die an Klima, Standort und Bewirtschaftung angepasst sind. Diese etwas über 20 Arten mit weit über 300 Sorten müssen auf ihre Tauglichkeit unter österreichischen Bewirtschaftungsbedingungen geprüft werden und auch in ihrer Mischungszusammensetzung auf unterschiedlichen Standorten beobachtet werden.

„Natürlich gibt es im Grünlandgebiet nicht nur diese eine Kulturart, sondern auch wichtige weitere wie Silomais, Kartoffeln, Getreide um nur einige zu nennen, die ebenfalls als Futtermittel oder auch für die menschliche Ernährung Verwendung finden“, führt der Institutsleiter weiter aus.

Verlust der Biodiversität

Mit einer intensiveren Nutzung, wie sie im Wirtschaftsgrünland notwendig ist, geht jedoch auch eine Einschränkung der Artenvielfalt einher. Nur jene Arten und Sorten können bestehen, die unter den jeweiligen Standorts- und Bewirtschaftungsbedingungen das Nährstoffniveau und die Nutzungsintensität ertragen. Allerdings kann man die Pflanzenbestände auch durch regelmäßige Nachsaat mit geeigneten Mischungen unterstützen.

Artenvielfalt ist wichtig für das Grünland, es gilt also, neben der Sicherung der wirtschaftlichen Basis der Grünlandbetriebe zur Produktion von Milch und Fleisch, auch die Biodiversität zu erhalten und zu fördern.

Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die Voraussetzung dafür ist allerdings das Vorhandensein des gewünschten Artenspektrums. Diese Arten von heimischen Wildpflanzen, in unserer Genbank geschützt und von Landwirten vermehrt, kann man zu geeigneten extensiven, reich blühenden Grünlandmischungen zusammensetzen und damit wieder die Kulturlandschaft anreichern, mit all den positiven Effekten auf die Entwicklung der Insekten, der Vögel, des Niederwilds. Wie überhaupt das Grünland ganz wesentliche und für uns Menschen essentielle Ökosystemleistungen bietet - neben der Biodiversität etwa auch die Bereitstellung von hochwertigem Trinkwasser, von Sauerstoff, Kohlenstoffspeicherung im Boden oder letztlich auch die Bereitstellung einer reich strukturierten Kulturlandschaft mit höchstem Erholungswert.

Mit all diesen Themen beschäftigen sich die wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut für Pflanzenbau und Kulturlandschaft und können nun - anschaulich präsentiert und kompakt zusammengefasst – bei einem Besuch des Schau- & Exkursionsbereichs „Boden-Wasser-Pflanzen“ selbst erlebt und erforscht werden.

Wie sich verschiedene Düngungsvarianten auf die Zusammensetzung und den Ertrag des Pflanzenbestandes auswirken sowie eine Auswahl von möglichen Ackerkulturen für den inneralpinen Raum wird an den einzelnen Stationen ebenso aufgezeigt wie auch die Vielfalt der Saatgutmischungen für die Bewirtschaftung unterschiedlicher Grünlandstandorte, oder der Einfluss von Nachsaat und Bewirtschaftungsintensität auf Ertrag, Futterqualität, Pflanzenbestand und Wasserverbrauch von Dauergrünland. Der Boden – Wasser – Wurzel Schaukeller, in dem die Lebensgrundlage Boden mit all seinen Funktionen dargestellt wird sowie das weltweit einzigartige Freilandexperiment ClimGrass, wo auf insgesamt 54 Versuchsparzellen verschiedenste Klima-Szenarien simuliert werden, runden das Angebot ab.

 Anmeldungen werden ab sofort entgegen genommen und wir würden uns freuen, viele Schulklassen, Bäuerinnen und Bauern aber auch interessierte Konsumenten bei uns zu begrüßen.

 

 

Neben Schauversuchen erwarten die Besucher auch mehrere Schaugärten.

Neben Schauversuchen erwarten die Besucher auch mehrere Schaugärten.

 (c)HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Team

Krautzer Bernhard. Dr.

Dr. Bernhard Krautzer

Pflanzenbau und Kulturlandschaft
Graiss Wilhelm, Dr.

Dr. Wilhelm Graiss

Vegetationsmanagement im Alpenraum
Gaier Lukas, DI.

DI Lukas Gaier

Pflanzenbauliche Alternativen und genetische Ressourcen im Grünland
Schaumberger Andreas, Dr.

Mag. Dr. MSc. Andreas Schaumberger

Grünlandmanagement und Kulturlandschaft
Bohner Andreas, Dr.

Dr. Andreas Bohner

Umweltökologie
Klingler Andreas, DI

DI Andreas Klingler

Agrar- und Umweltinformatik