Weideparasiten bei Ziegen in Österreich: Resistenzmonitoring und Entwicklung nachhaltiger Bekämpfungsstrategien für die Praxis (ParaGÖAT)

Weideparasiten bei Ziegen in Österreich: Resistenzmonitoring und Entwicklung nachhaltiger Bekämpfungsstrategien für die Praxis (ParaGÖAT)

Ziegen auf der Weide sind unweigerlich Parasiten ausgesetzt – insbesondere den Magen-Darm-Strongyliden. In den vergangenen Jahren zeigten sich europaweit zunehmende Entwurmungsmittelresistenzen, die die Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit der Betriebe gefährden. Gleichzeitig wurden auf vielen Ziegenbetrieben weiterhin Strategien angewendet, die Resistenzen begünstigen, etwa routinemäßige Ganzherdenbehandlungen. Das Projekt ParaGÖAT setzte genau hier an: Es sollte den Status quo erfassen, die Resistenzlage bewerten und praxistaugliche, nachhaltige Kontrollstrategien entwickeln.

 

Das Projekt umfasste mehrere aufeinander aufbauende Bausteine:

Umfrage unter Tierärzt:innen und Ziegenhalter:innen:
Zunächst wurden Informationen zu Management, Entwurmungsstrategien, Weideführung und Beratungsstrukturen erhoben. 273 Ziegenhalter:innen und 91 Tierärzt:innen nahmen teil.

Prävalenz- und Diagnosestudien auf 58 Betrieben:
Von Jung- und Altziegen wurden Kotproben analysiert. Auf Betrieben mit höherer Belastung folgten detaillierte Untersuchungen, einschließlich Larvenkulturen und qPCR zur Bestimmung der Parasitenarten.

Eizahlreduktionstests (EZRT) auf 21 Betrieben:
Diese standardisierte Methode prüft die Wirksamkeit eingesetzter Entwurmungsmittel. Parallel wurden Gesundheitsparameter erhoben – u. a. Body Condition Score (BCS), FAMACHA©-Score und Hinweise auf Durchfall.

Bewertung alternativer Strategien:
In einem ergänzenden Fütterungsversuch wurde getestet, ob eine proteinangereicherte Beifütterung rund um die Geburt die Resilienz von Mutterziegen gegenüber Parasiten stärken kann.

 

Ausgewählte Ergebnisse und Umsetzungsempfehlungen für die Praxis

Weideparasiten waren weit verbreitet – und Haemonchus dominierte
Auf 97% der Betriebe wurden Magen-Darm-Strogyliden nachgewiesen. Überraschend: Zwischen Jung- und Altziegen bestanden kaum Unterschiede. Die durchschnittliche Eiausscheidung lag bei über 1.000 EpG, was auf einen hohen Infektionsschutz hinwies. 

Besonders brisant:
Haemonchus contortus war auf den meisten Betrieben die dominierende Art. In einigen Proben lag sein Anteil sogar bei über 90 % der nachgewiesenen Larven. Diese Art gilt als besonders pathogen und resistenzanfällig.

Anthelminthikaresistenzen waren flächendeckend vorhanden

Der EZRT zeigte deutlich:
Auf allen untersuchten Betrieben war die Wirksamkeit von Eprinomectin reduziert – dem einzigen für Ziegen zugelassenen Wirkstoff in Österreich.
Auf einem Betrieb wurde zusätzlich eine Resistenz gegen Moxidectin festgestellt.

Diese Ergebnisse belegten eine kritische Resistenzlage, die schnelles Umdenken erforderte.

Diagnostik und Monitoring wurden zu selten genutzt

Nur 38 % der Betriebe ließen regelmäßig Kotproben untersuchen.
Auf vielen Betrieben wurde weiterhin die gesamte Herde entwurmt – eine Strategie, die Resistenzentwicklung beschleunigt.

Gleichzeitig zeigte die Umfrage:

  • Ziegenhalter:innen wären bereit, mehr Zeit in Diagnostik und selektive Behandlungen zu investieren.
  • Viele fühlten sich gut beraten, wünschten sich jedoch stärker strukturierte und praxisnahe Information.

Gezielte selektive Behandlung ist möglich und sinnvoll

Die individuellen Untersuchungen zeigten eine typische Überdispersion:
25 % der Tiere schieden rund die Hälfte der Wurmeier aus.

Damit ist klar:
Gezielte Behandlungen einzelner Hochausscheider könnten den Einsatz von Entwurmungsmitteln deutlich reduzieren, ohne die Tiergesundheit zu gefährden.

Besonders hilfreich erwies sich die Kombination aus:

  • individueller Eizählung
  • FAMACHA©-Score (bei Haemonchus-Dominanz)
  • BCS
  • klinischen Hinweisen wie Kehlgangsödemen

Fütterungsstrategien können die Resilienz stärken

Der Fütterungsversuch zeigte:
Eine proteinreiche Beifütterung rund um die Geburt unterstützte die Tiere bei der Bewältigung des Parasitenbefalls. Ziegen mit besserer Versorgung wiesen stabilere Blutwerte und tendenziell geringere Konsequenzen eines Haemonchus-Befalls auf.

 

Empfehlungen für Ziegenbetriebe

1. Weg von Ganzherdenbehandlungen – hin zu selektiven Ansätzen
Gezielte Behandlung einzelner Tiere reduziert den Medikamenteneinsatz und schützt vorhandene Wirkstoffe.

2. Regelmäßige Diagnostik einplanen
Mindestens 1–2 Kotprobenuntersuchungen pro Saison sind sinnvoll.
Grenzwerte sollten betriebsspezifisch festgelegt werden.

3. FAMACHA© und BCS routinemäßig einsetzen
Besonders bei Haemonchus-Dominanz ist FAMACHA© ein wertvolles Werkzeug zur Erkennung gefährdeter Tiere.

4. „Dose-and-move“ vermeiden
Diese frühere Standardstrategie fördert Resistenzentwicklung und sollte nicht mehr angewendet werden.

5. Zukaufstiere konsequent in Quarantäne
Mindestens 30 Tage plus Entwurmung und Kotkontrolle verhindern Resistenz-Einschleppung.

6. Fütterung rund um die Geburt optimieren
Eine bedarfs- bzw. proteinangepasste Ration unterstützt Immunsystem und Widerstandskraft.

 

Projektdaten

Projekttitel:
Weideparasiten bei Ziegen in Österreich: Resistenzmonitoring und Entwicklung nachhaltiger Bekämpfungsstrategien für die Praxis

Akronym:
ParaGÖAT

Projektleitung:
Dr. Barbara Hinney, Veterinärmedizinische Universität Wien

Laufzeit:
01.02.2023 – 30.10.2025

Externe Projektpartner:
HBLFA Raumberg-Gumpenstein (Leopold Podstatzky)

Kontakt:
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ProjektleiterIn

Podstatzky-Lichtenstein Leopold, Dr.

Dr. Leopold Podstatzky-Lichtenstein

Bio-Wiederkäuergesundheit

Forschungsdokumentation

 

Weideparasiten bei Ziegen in Österreich: Resistenzmonitoring und Entwicklung nachhaltiger Bekämpfungsstrategien für die Praxis (ParaGÖAT)

Podstatzky Leopold (2022 - 2024)
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