Im Mittelpunkt des ersten Tagungsvormittages stand das kürzlich abgeschlossene vierjährige Forschungsprojekt IBeSt – „Innovationen für bestehende Schweineställe“. Erstmals wurden der Fachöffentlichkeit die Ergebnisse sämtlicher Arbeitspakete kompakt und umfassend präsentiert. Die Beiträge boten wertvolle Einblicke in aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze rund um die Haltungstechnik im Schweinebereich, Emissionen und Ökonomie und sorgten für intensiven fachlichen Austausch sowie spannende Diskussionen unter den Teilnehmer:innen.
Einen besonderer Höhepunkt bildete der abschließende Beitrag aus dem „Arbeitspaket Mensch“: In Form eines kreativ gestalteten Dialogs auf der Bühne wurden von Ika Darnhofer und Thomas Reisecker die täglichen Herausforderungen und Problemstellungen von (Schweine-)Bäuerinnen und Bauern eindrucksvoll dargestellt. Die außergewöhnliche Präsentation sorgte für begeisterten Applaus und blieb vielen Teilnehmer:innen besonders in Erinnerung.
Im Nachmittagsprogramm widmete man sich in drei Vorträgen von hauseigenen Wissenschaftlern weiteren hochaktuellen Themenfeldern: Raditya Subagia präsentierte seine Forschungsarbeit, in der er eine umfassende Auswertung der über mehrere Jahrzehnte generierten Versuchsdatensätze aus dem Gumpensteiner Geflügelstall durchgeführt hatte. Retrospektiv gewann er dadurch völlig neue Erkenntnisse zum Einfluss von Wasser bei der Ammoniakfreisetzung im Geflügelbereich.
Von Alfred Pöllinger-Zierler wurde außerdem die Frage erörtert, ob und unter welchen Bedingungen ein neu entwickelter Teilflächenboden in der Milchviehhaltung als emissionsmindernde Maßnahme sinnvoll sein kann.
Moderne Methoden zur Methanmessung und der Einfluss der Landwirtschaft bzw. Rinderhaltung auf die globalen Methanemissionen wurden von Thomas Guggenberger unter dem Titel „Dem Methan auf der Spur“ besprochen und kritisch beleuchtet.
Abgerundet wurde der erste Veranstaltungstag durch zwei Exkursionen zum Geflügelstall sowie zur Respirationskammer der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, bei denen die Teilnehmer:innen praxisnahe Einblicke in aktuelle Forschungsinfrastrukturen erhielten. Den gelungenen Abschluss bildete eine gemeinsame Abendveranstaltung am Puttererseehof in Aigen im Ennstal, wo regionale „hofaigene“ Produkte in Form eines ausgezeichneten Grillbuffets genossen werden konnten.
Auch der zweite Tagungstag bot ein vielfältiges und zukunftsorientiertes Programm. Im ersten Themenblock „Betriebsmanagement & moderne Techniken in der Tierhaltung“ bewertete Christian Fritz digitale Helfer für Betriebsmanagement und Umweltbewertung und Irene Mösenbacher-Molterer gab in Zeiten des Klimawandels einen wertvollen und umfassenden Überblick zu Kühltechniken in der Nutztierhaltung. Den Abschluss dieses Themenblocks bildete eine absolute Innovation des Hauses Raumberg-Gumpenstein: Entwickler Andreas Schaumberger stellte die brandneue, erst vor wenigen Wochen gelaunchte App „SatGrass“ vor. Diese kostenlose App dient Landwirt:innen als nützliches Tool zur satellitengestützten Ertragsfeststellung im Grünland.
Der zweite Block widmete sich dem Tierwohl & der Emissionsminderung: Diskutiert wurden aktuelle Themen aus der Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz. Passend ergänzt wurde dieser Beitrag von einer durchgeführten Prüftätigkeit für Stalleinrichtungen aus der Schweiz. Michael Zähner berichtete über die Funktionalität und Tiergerechtheit einer sogenannten „CowToilet“ für Milchkühe. Heike Harzer war aus Deutschland online zugeschaltet und referierte über ihre Messergebnisse und die daraus abzuleitende Wirksamkeit natürlicher Schwimmdecken bei Güllelagern. Eine eindrucksvolle Zusammenschau, welche Chancen und Grenzen die NIRS-Analytik in der Landwirtschaft bieten kann, wurde vom Leiter der Abteilung Analytik an der HBLFA, Reinhard Resch, aufgezeigt. Im letzten Vortrag dieser Tagung stellte die Firma Alzchem aus Trostberg (D) die Auswirkungen des Güllezusatzes Eminex® auf das Wirtschaftsdüngermanagement hinsichtlich möglicher Emissionsreduktion und Nährstoffeffizienz vor – eine Untersuchung dazu wurde auch in der Gumpensteiner Gülleprüfanlage durchgeführt.
Die Tier-Technik-Umwelt-Tagung 2026 zeigte einmal mehr die große Bedeutung des Austausches zwischen Forschung, Beratung und landwirtschaftlicher Praxis. Genau dieses Zusammenführen unterschiedlicher Perspektiven und Kompetenzen macht die Veranstaltung zu einer wertvollen Plattform für Wissenstransfer, Innovation und Diskussion aktueller Herausforderungen in der modernen Nutztierhaltung. – Mit der Teilnahme einer Schulklasse aus der LWBFS Schlierbach zeigten bereits jetzt die möglichen Hofübernehmer:innen, landwirtschaftlichen Berater:innen oder Forscher:innen der Zukunft ihr Interesse an den vielfältigen Themen rund um Nutztierhaltung, Digitalisierung und Umweltwirkung.
Tagungsband zur Tier-Technik-Umwelt-Tagung 2026 (TTU-Tagung)
Downloadlink Tagungsband TTU-Tagung 2026
Bilder zur Tagung
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