Experten diskutieren in Brüssel über Investitionshemmnisse für eine moderne und nachhaltige Nutztierhaltung
Auf Einladung der Sustainable Livestock Intergroup diskutierten am 24.06.2026 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Landwirtschaft in Brüssel darüber, wie Umweltvorschriften so weiterentwickelt werden können, dass Investitionen in eine moderne, nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft wieder möglich werden.
Den Auftakt der Veranstaltung machten die Europaabgeordneten Benoit Cassart und Piotr Całbecki. Sie verwiesen auf den Widerspruch, mit dem viele landwirtschaftliche Betriebe heute konfrontiert sind: Einerseits werden regionale Lebensmittelproduktion sowie höhere Umwelt- und Tierwohlstandards gefordert, andererseits scheitern notwendige Stallmodernisierungen häufig an langwierigen Genehmigungsverfahren oder rechtlichen Unsicherheiten.
Prof. Roel Jongeneel von der Universität Wageningen zeigte anhand der Situation in den Niederlanden, wie unklare und restriktive Umweltvorgaben Innovationen im Nutztiersektor ausbremsen können. Gleichzeitig betonte Claudia Fusco (Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission), dass Landwirtschaft und Umweltschutz gemeinsam gedacht werden müssen. Nachhaltige Investitionen müssten sich für landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich lohnen und durch geeignete Förderinstrumente unterstützt werden.
Auch rechtliche Herausforderungen standen im Mittelpunkt der Diskussion. Die Juristin Carole Hernandez erläuterte, dass Landwirte zunehmend mit Klagen wegen Geruchs-, Lärm- oder Umweltbelastungen sowie mit Einsprüchen gegen Bau- und Modernisierungsvorhaben konfrontiert werden. Diese Verfahren verzögern Investitionen erheblich und schaffen große Unsicherheit.
In der Folge berichteten Praktiker aus verschiedenen Mitgliedstaaten über ihre Erfahrungen. Vertreter der Milch-, Schweine- und Geflügelhaltung machten deutlich, dass insbesondere kleine und mittlere Familienbetriebe unter langen Genehmigungsprozessen und fehlender Planungssicherheit leiden. Viele Investitionen würden deshalb verschoben oder ganz aufgegeben.
Ein wichtiger Schwerpunkt der Veranstaltung war der Beitrag innovativer Technologien zur nachhaltigen Tierhaltung. Michael Kropsch, Leiter des Referats Emissionen aus der Tierhaltung an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein in Österreich, stellte heraus, dass moderne Stalltechnologien mehrere gesellschaftliche Ziele gleichzeitig erfüllen können. Innovative Stallkonzepte ermöglichen eine deutliche Verbesserung des Tierwohls, reduzieren das Krankheitsrisiko in den Beständen und senken gleichzeitig Emissionen. Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass Landwirte die notwendige Rechtssicherheit erhalten und darauf vertrauen können, dass Genehmigungen für Stallmodernisierungen auch tatsächlich erteilt werden.
Zum Abschluss der Veranstaltung machte die Europaabgeordnete Céline Imart deutlich, dass die Zahl der Hürden für nachhaltige Investitionen derzeit zu groß sei. Die von der Europäischen Kommission angekündigten Vereinfachungen gingen aus Sicht vieler Beteiligter noch nicht weit genug. Nur mit verlässlichen und praxistauglichen Genehmigungsverfahren könne die europäische Landwirtschaft die notwendigen Investitionen in Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz erfolgreich umsetzen.



