Klimaeffiziente Bio-Milchproduktion: Erfolgreicher Abschluss eines wegweisenden Praxisprojekts

Klimaeffiziente Bio-Milchproduktion: Erfolgreicher Abschluss eines wegweisenden Praxisprojekts

Wie evidenzbasierte Ökobilanzierung, praxistaugliche Maßnahmen und gezielte Beratung den Klimaschutz in der Milchwirtschaft messbar und umsetzbar machen?

Die Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Milchviehhaltung ist ein komplexes Unterfangen, das im Spannungsfeld zwischen landwirtschaftlicher Praxis, wissenschaftlicher Bewertung und den Anforderungen einer nachhaltigkeitsorientierten Wertschöpfungskette steht. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Projekts „Treibhauseffiziente Bio-Milchproduktion“ (DaFNE Projekt-Nr. 101729) wurde nun ein wichtiger Meilenstein erreicht, um dieses Spannungsfeld aufzulösen und praxisnahe Lösungen für die Zukunft zu etablieren.

Rückblick: Ein hybrider Ansatz aus Forschung und Praxis

Um klimafreundliche Milchproduktion nicht nur theoretisch zu postulieren, sondern tatsächlich zu ermöglichen, verfolgte das Projekt einen mehrstufigen Ansatz. Ziel war es, Emissionsprofile österreichischer Bio-Milchviehbetriebe präzise zu erfassen, zu modellieren und durch Kooperation von Forschung und Praxis (Co-Innovation) konkrete Klimaschutzmaßnahmen zu entwickeln.

In den Jahren 2023 bis 2025 wurden 54 Betriebe aus den Niederösterreichischen Kalkalpen sowie der Region Ost (Bucklige Welt und Oststeirisches Bergland) detailliert begleitet. Die wissenschaftliche Basis bildeten Ökobilanzierungen (LCA) mittels des Instruments FarmLife. Doch das Projekt ging einen Schritt weiter und setzte auchpraktische Maßnahmen. Durch den stetigen Austausch zwischen Wissenschaft, Beratung und Landwirt:innen wurde ein dynamischer Maßnahmenkatalog von 69 Optionen entwickelt und auf 24 für die Praxis hochrelevante Kernmaßnahmen fokussiert.

Zentrale Erkenntnisse: Zahlen im Kontext interpretieren 

Die Projektergebnisse verdeutlichen, dass reine Bilanzkennzahlen ohne sachlichen Kontext zu Fehlinterpretationen führen können. Die Auswertungen der Jahre 2023 bis 2025 zeigen folgende Werte (ungewichteter Betriebsmittelwert):

  • Produktbezogene Emissionen: 1,34 (2023), 1,29 (2024) und 1,28 (2025) kg CO₂e pro kg FPCM.
  • Flächenbezogene Emissionen: 7.431 (2023), 6.995 (2024) und 7.144 (2025) kg CO₂e pro Hektar.

Die Liefermengen-gewichteten Mittelwerte zeigen deutlich niedrigere Zahlen als die Betriebsmittelwerte, da größere Betriebe oftmals eine geringere Emissionsintensität aufweisen. Aufschlussreich war die modellbasierte Zeitreihenanalyse (2018–2025): Während produktbezogene Emissionen durch Leistungssteigerungen pro Kuh um durchschnittlich 12 % sanken, stiegen flächenbezogene Werte leicht an. Zudem zeigten die Daten, dass exogene Faktoren – etwa extreme Witterungsereignisse der Trockenjahre oder schwankende Marktpreise – die bilanziellen Ergebnisse stark überlagern. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Klimaeffizienz nicht nur als Momentaufnahme, sondern als langfristige Managementleistung im Kontext von Standort, Klima und Markt zu betrachten.

Von der Kennzahl zur Umsetzung: Ein evidenzbasiertes Konzept

Der Erfolg des Projekts liegt in der Vermittlung von Steuerungsgrößen zum eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Dies gelang durch die Überführung von Kennzahlen in mehrjährige Betriebsdossiers und die digitale Plattform FarmConsult, gepaart mit einer strukturierten Beratung durch Bio Austria. Mit der Verbindung aus angewandter Forschung, der neuen digitalen Plattform und aktiver Beratungsarbeit konnten Verständnis und Umsetzungsquote auf den Betrieben signifikant gesteigert werden.

Ausblick: Nachhaltigkeit als gemeinsame Aufgabe

Der Projektabschluss markiert keineswegs das Ende der Bemühungen, sondern den Aufbau eines neuen Fundaments. Die entwickelten Werkzeuge und Erkenntnisse sind bereits heute ein unverzichtbarer Baustein für die Zukunft:

  • Für die Beratung und die Betriebe: Das System bietet eine klare Orientierungshilfe, um betriebsindividuelle Stärken und Optimierungspotenziale im Betriebmanagement zu nutzen.
  • Für die Abnehmerindustrie: In Zeiten steigender Anforderungen durch CSRD-Vorgaben (Corporate Sustainability Reporting Directive) liefert das Projekt evidenzbasierte Ansätze, um den Emissionsfußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent und fundiert abzubilden.
  • Für die Politik und Wissenschaft: Die gewonnenen Daten fließen direkt in Folgeprojekte, wie etwa den „Klimakompass Landwirtschaft“, ein und helfen dabei, gegenseitige Fehlwahrnehmungen zwischen Urproduktion und Abnehmerseite abzubauen.

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass Klimaschutz in der Milchwirtschaft kein reiner Zahlen-Wettbewerb ist, sondern eine koordinierte Gemeinschaftsleistung von Landwirtschaft, Beratung und Wirtschaft basierend auf wissenschaftlichen Grundlagen. 

Wir danken allen beteiligten Betrieben und Partnern für den wertvollen Beitrag zu diesem erfolgreichen Projektabschluss.

ProjektleiterIn

Fritz Christian, MA, Abteilungsleitung

Mag. Christian Fritz, MA

Abteilungsleitung Ökonomie u. Ressourcenmanagement

Team

Peter Eva-Maria, MA

Eva-Maria Peter, MA

Abteilungsleiter-Stellvertreterin
Finotti Elisabeth, Mag.a

Mag.a Elisabeth Finotti

Referentin, Ökonomie u. Ressourcenmanagement
Brandmüller Jeannine-Kathrin

Jeannine-Kathrin Brandmüller

Sekretariat Ökonomie u. Ressourcenmanagement

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