Zu Beginn wurden die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem ersten Workshop dargestellt. Ein zentrales Thema war dabei die Verlässlichkeit der Datenübertragung und die Funktionalität der Tracker. Kostengünstigste Varianten sind Tracker aus der Fahrzeugüberwachung, welche in bestehende Mobilfunknetze senden. Ist das nicht möglich, muss ein eigenes Netz erstellt werden. Gibt es beim Standort einer selbst installierten Antenne auch kein Mobilfunknetz, kann eine Insellösung eingesetzt werden. Mit dem eigenen Netz könnten zusätzliche Sensoren betrieben werden. So kann z.B. erfasst werden, wieviel Wasser im Brunnen ist, wie das lokale Wetter ist, ob die Weidezäune funktionieren und Weidetore geschlossen sind. Das Ziel von allen Funknetzen ist eine möglichst stabile und energieeffiziente Datenübertragung aus den Weidegebieten zu gewährleisten.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Auswertung der aufgezeichneten GPS-Daten. Anhand von sogenannten Heatmaps kann sichtbar gemacht werden, welche Bereiche der Weideflächen von den Tieren besonders intensiv genutzt werden. Diese räumlichen Analysen liefern wertvolle Informationen für das Weidemanagement und dient zu gleich als Dokumentation. Auf Basis dieser Daten können beispielsweise Weidepläne für die kommende Saison erstellt oder angepasst werden, um eine gleichmäßigere Nutzung der Flächen zu erreichen und empfindliche Bereiche gezielt zu entlasten. Für die Lenkung der Weidetiere bei empfindlichen Weidegebieten wurde der virtuelle Zaun der Fa. Gallagher vorgestellt. Dabei haben die Tiere einen GPS-Tracker, der bei Annäherung an die virtuelle Zaunlinie vorerst Töne von sich gibt, ignorieren die Tiere die Töne, bekommen sie bei weiterer Annäherung an die Zaunlinie einen elektrischen Impuls, welcher die Tiere zum Umkehren lenkt.
Darüber hinaus wurden mögliche weiterführende Anwendungen der Daten diskutiert. Ein Ansatz betrifft die Nutzung im Bereich Tourismus und Besucherlenkung. Wenn sich Weidetiere in der Nähe von Wanderwegen aufhalten, könnten entsprechende Hinweise oder Verhaltensregeln für Besucher in einer App am Handy angezeigt werden. Alternativ könnten bei vorhandenen Wegen, Ausweichrouten vorgeschlagen werden, um Konflikte zwischen Weidetieren und Erholungssuchenden zu vermeiden.
In der Veranstaltung wurde eine Gruppendiskussion in zwei Gruppen durchgeführt. Gruppe 1 diente der Vernetzung anwesender Forschungsinstitutionen mit den Technologieanbietern. Gruppe 2, besetzt aus Praktiker:innen, Berater:innen und der Verwaltung, reflektierte die Technologie aus ihrer Sicht. Das Ergebnis von Gruppe 1 besteht aus der Erkenntnis, dass die Technologie derzeit eine rasante Entwicklung erfährt. Möglichkeiten, die vor einem Jahr diskutiert wurden, sind heute schon umgesetzt. Gruppe 2 kam überein, dass eine breitere Einführung einer natürlichen Entwicklung entspricht. Obwohl damit einige Ängste und Sorgen verbunden sind (z.B. Haftungsfragen), wird die Entwicklung als Chance wahrgenommen.
Der Workshop zeigte deutlich, dass Weide-GPS großes Potenzial für ein modernes und datenbasiertes Weidemanagement bietet. Neben der Ersparnis an Arbeitszeit für die Tiersuche eröffnen sich auch neue Möglichkeiten für Kooperationen mit anderen Bereichen wie dem Tourismus oder dem Naturschutz.



