Dürre 2026: Grünland unter außergewöhnlichem Trockenstress
© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Dürre 2026: Grünland unter außergewöhnlichem Trockenstress

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Dürre 2026: Grünland unter außergewöhnlichem Trockenstress

HBLFA Raumberg-Gumpenstein startet Erhebungskampagne zur Dokumentation der Auswirkungen auf Ertrag und Futterqualität

Die Vegetationsperiode 2026 stellt viele Grünlandbetriebe in Österreich vor besondere Herausforderungen. Nach einem vergleichsweise frühen Vegetationsstart blieb die Entwicklung der Grünlandbestände zunächst hinter den Erwartungen zurück. Fehlende Niederschläge in Verbindung mit niedrigen Temperaturen begrenzten das Wachstum des ersten Aufwuchses. In den darauffolgenden Wochen änderte sich die Witterung grundlegend: Aus der kühlen Frühjahrstrockenheit entwickelte sich eine ausgeprägte Kombination aus Hitze und Wassermangel.

Vor allem die zweite Junihälfte war durch außergewöhnlich hohe Temperaturen und geringe Niederschläge geprägt. Laut GeoSphere Austria gehörte der Juni 2026 zu den wärmsten Junimonaten der österreichischen Messgeschichte; gleichzeitig verschärfte die heiße und niederschlagsarme Witterung die bereits bestehende Trockenheit deutlich. Bis Ende Juni fiel österreichweit seit Jahresbeginn rund 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. In einzelnen Regionen lagen die Defizite wesentlich höher.

Auch im Juli setzte sich die angespannte Situation fort. Österreichweit fiel rund 53 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Klimaperiode 1991–2020, während die Temperaturen um etwa 2 °C über dem langjährigen Mittel lagen. Besonders trocken verlief der Monat nördlich des Alpenhauptkammes.

Grünland besonders von Wassermangel betroffen

Für das Grünland ist eine solche Witterungsabfolge besonders problematisch. Produktive Grünlandbestände sind auf eine ausreichende und möglichst kontinuierliche Wasserversorgung während der Vegetationsperiode angewiesen. Wassermangel begrenzt das Pflanzenwachstum unmittelbar und kann damit sowohl den Biomasseertrag als auch die weitere Bestandesentwicklung beeinflussen.

Die Situation 2026 ist dabei auch deshalb bemerkenswert, weil unterschiedliche Stressfaktoren unmittelbar aufeinanderfolgten: Nach dem frühen Vegetationsbeginn entwickelten sich die Bestände im Frühjahr aufgrund von Trockenheit und niedrigen Temperaturen nur verhalten. Mit der ausgeprägten Hitze und dem zunehmenden Niederschlagsdefizit im Juni und Juli verschärften sich die Wachstumsbedingungen anschließend weiter.

Für die Grünlandwirtschaft stellt sich daher die zentrale Frage: Wie stark wirkt sich diese außergewöhnliche Witterung tatsächlich auf Ertrag und Qualität der Grünlandbestände aus?

Rund 30 Betriebe werden untersucht

Um die Auswirkungen der aktuellen Dürre möglichst genau zu erfassen, hat die HBLFA Raumberg-Gumpenstein eine gezielte Erhebungskampagne gestartet. Derzeit werden auf rund 30 landwirtschaftlichen Betrieben in besonders betroffenen Regionen Grünlandbestände untersucht. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Oberösterreich und Niederösterreich sowie auf Teilen der Steiermark.

Bei jeder Erhebung wird zunächst der Standort detailliert dokumentiert. Zusätzlich werden Informationen zum jeweiligen Aufwuchs erfasst: Um welchen Aufwuchs handelt es sich? Wie alt ist der Bestand zum Zeitpunkt der Untersuchung und unter welchen Bedingungen hat er sich entwickelt?

Anschließend erfolgt eine standardisierte Biomassebeprobung. Dazu wird eine definierte Grünlandfläche in dreifacher Wiederholung beerntet und das Pflanzenmaterial als destruktive Probe entnommen. Auf dieser Grundlage kann nach der Trocknung der tatsächliche Trockenmasseertrag des Bestandes bestimmt werden.

Die gewonnenen Pflanzenproben werden anschließend an die HBLFA Raumberg-Gumpenstein gebracht und im Labor weiter untersucht. Neben dem Ertrag stehen dabei auch wesentliche Qualitätsparameter des Grünlandfutters im Mittelpunkt. Dadurch lässt sich nicht nur feststellen, wie viel Biomasse unter den aktuellen Bedingungen gebildet wurde, sondern auch, welche Auswirkungen die Trockenheit auf die Futterqualität hat.

Daten aus einem außergewöhnlichen Jahr

Die Erhebung verfolgt zwei zentrale Ziele. Zum einen soll die Datengrundlage dazu beitragen, die Auswirkungen der Dürre 2026 auf das österreichische Grünland möglichst objektiv zu quantifizieren. Die Untersuchungen liefern Momentaufnahmen direkt aus der landwirtschaftlichen Praxis und ermöglichen es, Unterschiede zwischen Standorten, Aufwüchsen und Regionen sichtbar zu machen.

Zum anderen sind die Daten auch für die Weiterentwicklung von Grünlandmodellen von besonderem Wert. An der HBLFA Raumberg-Gumpenstein werden im Rahmen der Grünlandforschung unter anderem Modelle zur Abschätzung von Ertrags- und Qualitätsentwicklungen eingesetzt, wie sie etwa im Forschungsprojekt SatGrass entwickelt wurden. SatGrass beschäftigt sich mit der satellitengestützten Modellierung von Grünlandertrag und -qualität.

Gerade außergewöhnliche Witterungssituationen stellen solche Modelle vor große Herausforderungen. Kombinationen aus frühem Vegetationsbeginn, niedrigen Frühjahrstemperaturen, anhaltendem Niederschlagsdefizit und extremer Sommerhitze sind in bestehenden Datensätzen vergleichsweise selten vertreten. Entsprechend schwierig ist es, die Reaktion des Grünlandes unter solchen Bedingungen zuverlässig abzubilden.

Extremereignisse besser verstehen und modellieren

Die Dürre 2026 bietet daher – trotz ihrer erheblichen Belastungen für die landwirtschaftliche Praxis – aus wissenschaftlicher Sicht eine wichtige Möglichkeit, bestehende Datensätze zu erweitern. Die unmittelbar auf den Betrieben erhobenen Ertrags- und Qualitätsdaten können mit Standort-, Bestandes- und Witterungsinformationen verknüpft werden.

Damit entsteht eine wertvolle Grundlage, um einerseits die aktuelle Situation besser zu verstehen und andererseits die Grünlandmodelle für zukünftige Extremereignisse weiterzuentwickeln. Ziel ist es, auch unter schwierigen und außergewöhnlichen Wetterbedingungen künftig zuverlässigere Aussagen über die Entwicklung von Grünlanderträgen und Futterqualitäten treffen zu können.

Die laufende Erhebungskampagne verbindet damit die Dokumentation eines außergewöhnlichen Dürrejahres mit der langfristigen Weiterentwicklung der Grünlandforschung an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein.

 

Bilder

Team

Steinwidder Andreas, Priv. Doz. Dr.

Priv. Doz. Dr. Andreas Steinwidder

Leitung Forschung & Innovation
Schaumberger Andreas, Dr.

Mag. Dr. MSc. Andreas Schaumberger

Institutsleiter für Pflanzenbau und Kulturlandschaftsforschung
Klingler Andreas, DI

DI Andreas Klingler

Grünlandforschung